Bemerkenswert

es steht geschrieben

Dies ist die Kurzfassung des Beitrags.

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Was ich so schreibe… na, alles Mögliche! Eben Geschichten, Gedichte, es ist ein bunter Strauß, keiner muß alles lesen (kleiner Hinweis: unten angehängt an diesen Eingangssermon ein INHALTSVERZEICHNIS! folglich kann ein Jeglicher nach seinem Wunsche dort und dann fortfahren und darf diese Litanei gerne überspringen, ran an die Texte!), keiner muß alles mögen, natürlich freue ich mich, wenn etwas dem geneigten Leser zusagt, doch sollen die Texte nicht vorrangig, nicht einfach nur gefällig sein, sondern gerne auch ein bißchen sperrig hier und da, manche auch zum Nachdenken anregend. Wenn mir dies immer mal wieder gelingt (ja, genau, das mit dem Nachdenken), tunlichst ohne dass der Aspekt Unterhaltung untergeht, dann bin ich froh. Wer zum Inhalt oder zur Form Nachfragen hat, auch kritische, aber gerne (wie gesagt errege ich auch gerne Gefallen und hör das auch mit Begeisterung, wer nicht!), ich freue mich auf fachliche, sachliche und sowieso freundliche, gar begeisterte Rückmeldungen, konstruktive Kritik jeder Form wenn’s denn sein muß weil jemand sehr genau liest, sehr genau Textauf- und überbauten betrachtet, aber auch klar, von vorneherein: wer bloß blöd rumnölen will kanns auch gleich lassen. Gelegentlich schreibe ich auch zwischendrin mal zum aktuellen Weltgeschehen, was aber eher nicht so mein Stil ist, denn die Geschehnisse müssen meistens erst mal verdaut, inwendig verarbeitet werden, dann erst, dann wird vermutlich eine Geschichte daraus, die womöglich ihren Anlaß gar nicht mehr erkennen läßt. Wie das halt mit Verdautem so ist, man erkennt selten das Eingangsprodukt. Freilich, manchmal ist noch eine deutliche Färbung zu erkennen oder gar unverdaute Reste, grobe Körner etwa… Und wie alles selbst verdaute: wie schon geschrieben. Copyright. Gell. Privat weitergeben – unter Autorenangabe – ja, gern, in irgendeiner Weise gewerblich: nicht ohne mich zu fragen! – ja doch, fragt mich!
Sodann wurde ich aufgefordert, einen Leseguide zu geben. Was diese Geschichtchen sollen, ob sie zusammenhängen. Nein, jede steht für sich, obwohl es natürlich inhaltliche Zusammenhänge geben mag, thematische. Falls sich eine Geschichte aus der anderen ergibt, so wird, kein Grund zu zweifeln oder verzweifeln, ein Hinweis gegeben werden. Wie schon geschrieben müssen diese ganzen Einträge also nicht mit Gewalt heruntergelesen werden, sondern je nach Lust und Laune – manche mögen zu einer kleinen Besinnung anregen, die Seele bequem baumelnd, nicht aber etwa aufgehängt, sich selbst suchen lassen, besinnlich sein, andere aufgrund ihrer temporeichen Ereignisse oder ihrer spitzen Bemerkungen wegen eher den Verstand ansprechen, aufwecken, den lieben Leser auch dazu auffordern, Stellung zu beziehen, selbst tätig zu werden gegen all das Ungute, das sich überall vermehrt, breitmacht, gestern und heute. Es ist eben ein Unterschied, ob ein Blatt betrachtend ein Haiku rezitiert wird oder sonstiges Poetisches, diesem poetischen Sinn im Seienden sinnlich nachgespürt wird, oder anders eine unerwartete Wendung, ein frecher Begriff aufregend ist, vielleicht sogar ärgerlich oder aber eher belustigend. Hier mag ergänzt sein, es wiederholt sich, es ist oft das Ernste im Unernsten und sein Zwilling, das Unernste im Ernsten, das sich mir aufdrängt und das ich weiterzugeben versuche. Ist das Geschriebene ein autobiografisch Gekritzel? Eher nein, natürlich fließt mein Erfahrenes, Erlebtes ein, wird aber immer verformt, verarbeitet, bewußt und mindestens so oft unbewußt. Muß man, bei Fachbegriffen begonnen, so klug sein wie der Autor? He, wir leben in Zeiten des Internets! Da kann man nachschauen, was glaubt Ihr denn, was ich mache und nicht zuletzt gibt es auch Bücher, ja, die gibt es noch, Lexika, Fachbücher und so (na o.k., andererseits, haltet mich ruhig für ein Genie, einen Ausbund an Wissen)?! Muß immer, schier mit Gewalt, ein geheimnisvoll tieferer Sinn drinstecken? Nein, es darf auch auf Unterhaltungsmodus geschaltet werden. Am Ende muß ja immer der Rezipient, der Leser sich fragen, kann er, dieser Leser nämlich, da für sich etwas, irgend etwas, ein wenig, viel rausholen oder nicht. Wo nicht, na gut, schade um die so wieder gefundene, verlorene Zeit, wo schon, da freue ich mich mit!
Ja, o.k., eine Betriebsanleitung… na gut, ich habe erkannt, dass ich manchmal Erläuterungen, nicht so sehr Kommentierungen abgeben muß und vielleicht auch einen Hinweis, um was es geht, also mindestens in etwa ein Genre angeben. Dann will ich das mal tun. In Klammern. Also meinend: Du, der Du dies liest mußt das nicht so übernehmen, nicht so lesen, es ist nur ein Hinweis, eine Hilfestellung, aber bitte: das Lesen sei frei! Kein Leser verdammt! Ach kommt: Leseguide! Wenn ich das schon höre, lese, liese, lase: ja lest doch selber oder, um es mit Heinz Erhard zu sagen: das Schwarze, das sind die Buchstaben!

Die meisten Stücklein sind kurz. Was alles dabei erläuternd in Klammern steht kann weggelassen werden, das eigentliche Stücklein steht für sich, nur falls zusätzliche Erläuterungen gewünscht werden mag es sich empfehlen. Warnen will ich nur Diesen und Jenen vor den Teilen, die eventuell religiöse Gefühle (warum grad diese Schonung? weil die Leicht- und Strenggläubigen so leicht beleidigt sind! Ja und dann auch wegen einer gewissen Neigung, die auch mir innewohnt und die mir Respekt vor jenen Suchenden einflößt, die da nach der Wahrheit suchen oder nach der berühmten schwarzen Katze der Erkenntnis in einem verdunkelten Zimmer, die gar nicht da ist – das wäre die gute alte Wissenschaft -, die da aber nicht gleich rufen, sie hätten sie, obwohl sie wie gesagt gar nicht da ist, denn dies ist bekanntlich Theologie.) treffen und damit verletzten könnten, ich verseh sie mal mit einem + als Warnung. Also, weil es sonst ja nichts bewirkt außer leichtfertig erzielte negative Affektausbrüche, lest das nicht, lest eure heiligen Schriften und nichts Anderes! Aber mein Gott! – und alle die anderen Deines Schlages, die ich nicht neben Dir haben soll! – ja, ich weiß ja, dass das nichts nützen kann, frevelhafte Neubegierde wächst unter der frömmsten Scheuklappenhaube egal welcher Machart nach welcher Bekleidungsvorschrift welchen Ordens, welcher (vornehmlich alleinseligmachender Bekehrungs- und Verkündigungs-) Religion auch immer. Jene diesen Herumirrenden  Gleichgestellten aber, die heilig – absolute, obwohl gottlose Schriften für sich in Anspruch nehmen, sei es das bedenkenswerte, aber alles andere als unkritisch zu lesende Kapital, sei es ein übles Machwerk wie sein Krampf oder dergleichen, denen gestehe ich auch diese vorgebliche Suche nach der Wahrheit nicht mehr zu, es sei denn, sie wären völlig verblödet, was aber nur die wenigsten sind, die meisten wollen sehr bewußt und oft sogar sehr intellektuell überbaut und untermauert genau das: eine einfache, menschenverachtende Glaubenslehre für eine überschaubar definierte In-Group mit möglichst vielen Grausamkeiten gegen die Anderen und Abweichlern und persönlichen Gewinnmöglichkeiten – nicht umsonst hatten die damals wie heute keine Finanzsorgen, Vertreter des Großkapitals wissen, wie Mord und Totschlag zu fördern ging und geht.

INHALTSVERZEICHNIS oder: im Anfang war das Wort, aber der modernen Zeit entsprechend habe ich dann auch noch ein Bildnis von dem oder jenem gewagt.

(beachte die umgekehrte Reihung, das erste ist also tatsächlich das ersteingestellte, scrollt man runter – und ich habe noch nicht entdeckt, wie man etwa blättern könnte, es muß also augenverwirrend gescrollt werden – also das letzte Stück! Na typisch, den armen (mehr pflügenden als fliegenden?) Gaul von hinten her aufgezäumt!) Als denn, beginnen wir mit dem Ältesten:

1. Im Ungefähren verloren – Lyrik/Gedicht (Achtung, kann Hund enthalten!)
2. Die einheitliche Feldtheorie – Science fiction
3. Nachrichten aus finsteren Folterzeiten – Lyrisches Gedicht
4. Parabel von Schwaben und Leuten – Parabel
5. Anser vulpes – Fabel. Oder halt Tiergeschichte
6. Ich, Autor – Kurzgeschichte
7. Tiermagierin – Märchen (eine der ein klein wenig längeren Geschichtchen)
8. Bericht für den AAK – Science fiction
9. Bukowski, Charles – Lyrik/Gedicht
10. The real horror of the heights (in Deutsch! – Fantasy/Science fiction)
11. Als er das Brot brach – Lyrik/Gedicht – +!
12. Lehrer und Schüler im Zwiegespräch – Dialog
13. A Gsangl für’n Jandl – Lyrik/Gedicht
14. Aus dem Wörterbuch der Caniden – Spielerei, unvollendete, kann Hunde enthalten!
15. Schnodahüpferl – eben das
16. Haiku 1 – Haiku

17. Haiku 2 Glockenblume – Haiku
18. Haiku. Benn. 2x. – auf der Haiku – Zählung beruhende Gedichte
19. Gebet – Lyrik/Gedicht, +!
20. „Komm mit“ – Fabel
21. Gemeinsame Interessenlage – Kurzgeschichte
22. Klassische Bahnfahrt – Fantasy
23. lupus est homo homini, non homo, quom qualis sit non novit, geschweige denn den Viechern jeder Species! – Fabel
24. Trudeln – Kurzgeschichte
25. Joan Maynard! – Lyrik/Gedicht
26. den poet frag konkret/dekonstruktion – Lyrik/Gedicht
27. Nächtliche Erscheinung – Haiku
28. Wintersonnenstrahlen – Haiku
29. Auf den Tod eines Rollstuhlfahrers: – Lyrik/Gedicht
30. Das Tagebuch von Tarascon – Legende, also +!!; ein bißchen länger
31. Eine Piratengeschichte mit Irish Wolfhounds – unfertig, eigentlich Ankündigung
32. Im Zeichen lesen – Kurzgeschichte ohne passendes Happy End
33. „Carpe diem“ oder „die Müh ist klein, der Spaß ist groß, du glaubst zu schieben und du wirst geschoben“ – Kurzgeschichte mit arg vielen Zitaten
34. Bushi, der Weg des Kriegers und das Handwerk – historisierende Kurzgeschichte
35. Jenny Killerbee or if it snows, if it snows… – nicht unbekanntes Märchen (deutsch)
36. Altsteinzeit – Dialog
37. Conus oder: Ferien am Meer – Lyrik/Gedicht
38. I’m the tiger! – Kurzgeschichte (deutsch. Ja doch, einschließlich der fremdsprachigen Einwürfe)
39. Schutzrituale bei Vollmond – Fantasy – Kurzgeschichte
40. Von Affen und noch anderen Affen. Ein dystopisches Märchen. – Fabel
41. Harry und die Zwänge – Ein Sachbeitrag zur Diskussion Sonderbeschulung versus Inklusion – Kurzgeschichte
42. Der spinnt, der Junge – Kurzgeschichte
43. Innovationsstau – Kurzgeschichte
44. Reinkarnation – Fantasy – Kurzgeschichte, + nur für ganz Überempfindliche
45. Min Deern! Dat du min Leevsten büst! – Kurzgeschichte (deutsch, aber ja doch)
46. Wenn Gott eine Türe schließt, so öffnet er ein Fenster – Kurzgeschichte
47. Dinner for only one – Kurzgeschichte (deutsch)
48. Den Frauen von Augusta Vindelicum gewidmet, in Memoriam heilige Afra und Agnes Bernauerin – Gedicht mit volkstümlichen Anklängen Typ Schnodahüpferl
49. Wieso das Füttern der Elefanten verboten ist und wie Eva und Max das herausfanden – Kriminalkurzgeschichte
50. Informationstafel – Lyrik/Gedicht
51. Dichterlesung – Kurzgeschichte
52. El Cid – Kurzgeschichte, aber nicht auf spanisch

Ab hier habe ich auch Bilder eingefügt, zur Auflockerung und Erbauung sowie um den digitalen Apparat (Canon EOS 500D, vorher wollte ich nie eine C., da ich ja am allerwenigsten in Schluchten fotografiere) auszuprobieren, denn ich war noch etwas aus der Zeit gefallen. Für Interessierte: nach der Agfa Clack, die auch das Eingangsbild lieferte, lang ist’s her, und die einen Ehrenplatz auf dem Regal hat kam als tatsächlich eigene richtige Kamera gleich die Minolta Spiegelreflex (Dynax 5000i), und lange hab ich mich geweigert, so richtig zur digital – elektronischen Fraktion zu wechseln, die ersten kleinen Digicameras waren insbesondere objektiv ja nicht so das Wahre. Für Schnappschüsse zu langsam, für Bilder zu schlecht, zum Mitnehmen, zugegeben, ganz praktisch.

53. Bilder aus einem angeblich hundefreundlichen Landstrich (Bilddokumentation)

54. Phytagoras‘ Kiefer (Bild)

55. das Geheimnis des Waldbauern (Bild)

56. das rindige Rind (Bild)

57. die Wahrheit über die Liebe (mit Abbildung)

58. hochauflösende Grafik (so eine Art Kurzinterviews)

59. rötlich erblüht der Garten (Blumenbilder)

60. aber ein großer Schritt für die Menschheit (Bild)

61.Vor Pygmalion (Bild)

62. Lamageister (Bild)

63. Löwenkindheit (Bild)

64. Ernest oder: der Tod, der Tod – Versuch eines Essays mit notizhaft angedeuteter Rahmengeschichte, folglich etwas länger trotz fehlender Cocktailrezepte

 

 

 

Ernest oder Der Tod, der Tod

I. Lesenderweise begegnet die Leseratte dem Mann der Tat

Es war einer dieser gemütlichen Sonntage frühmorgens, sie kennen das, jeder kennt das, wintertrüb, verregnet, kein ehrlicher Sonnenaufgang durchdringt die wabernd liegenden Nebelschwaden, kaum Verkehrslärm, ja nicht einmal ehelicher Verkehr durchgellt, erhellt den Morgen. Ich lag zu Bette mit einer anderen Frau…

Und ich las im Scheine einer schwächlich trüben, etwas gelblich scheinenden Lampe Georges Bataille, ein Philosoph, der da sagt: „und nur weil wir Menschen sind und weil über unserem ganzen Leben der Schatten des Todes liegt, kennen wir die wilde und verzweifelte Gewalt der Erotik.“

Sie hatte Wünsche. Etwas zum Anziehen, denn keine Frau hat Solches im Schrank, in der Kommode, auf dem Stuhl, an der Garderobe. Denn dies alles dort – Schimäre! Gestern, ja, gestern war es noch Kleidung, doch heute ein Nichts, ein Hauch, ein durchsichtiger, windiger Schwindel der Modeschöpfer, überhitzte Phantasieausgeburt einer ewig am Verkauf, am Vermehren überflüssiger Meter Stoff interessierter Kleidungsindustrie. Gewinnmaximierte Billigstware, eigentlich schon als Einwegprodukt gedacht, ergo Lumpen. Klebrig die Käufer fangende Gespinste, die oft schon auf dem Weg aus dem Laden erste Knöpfe fallen lassen, erste Fäden ziehen, ähnlich durchscheinend oft, denn sorgsamer gestaltete Spinnennetze.

Und ich sprach: „Jetzt gib schon Ruhe. Nimm dir billigerweise etwas zu Lesen!“

Und ich las. Sie hatte mehr Wünsche. Lang wollte die Haare sie und schön, nicht mehr die praktische Kurzhaarfrisur. Das endlich war ein Wunsch, den die Zeit erfüllen mochte, ja musste, bevor die Kunst der Friseure den kunstfertigen und farbigen Aus- und Umbau an sich zu reißen vermochte, so dass ich sprach: „gib schon Ruhe und nimm dir inzwischen was zu Lesen!“

Und ich las. Sie aber hatte Wünsche. Etwas zum Liebhaben, ein süßes Kätzchen zum Beispiel. Denn so etwas brauchen alle Frauen und andere Erwachsene wie Kinder sollten es haben, wir wollen gar nicht von ungestümen und garstigen Männern reden, diese sind ungeeignet, grob, groß, grantig, kurz, es muss etwas Kleineres sein, etwas Weiches, Anschmiegsames.

Und ich sprach – aber ja, der Text ist bekannt. Und der ist nicht zur Gänze von mir, nein, zum kleinsten und unwesentlichsten Teil nur, denn also sprach zwar nicht Zarathustra, doch Hemingway ließ seine Figuren so sprechen in der Erzählung „Katze im Regen“, ich habe die Wünsche einfach von dort übernommen sowie den Tenor der Antwort, also Nach – Sprechen im Ab – Sprechen, zuletzt sogenanntes Ver – Sprechen.

Hemingway. Der Macho – Mann. Der hochge- und überschätzte – wofür noch hat er einen Nobelpreis erhalten, für diesen Fisch? – Schriftsteller. Und der unterschätzte, falsch eingeschätzte, auf seinen schon krankhaften, zwanghaften Macho – Gestus reduzierte, wenngleich er, zugegeben, selbst höchst aktiv dazu beitrug.

Der seinen Vater als Feigling ansah, da der sich anscheinend von seinem Weibe kommandieren ließ und, ob im Zusammenhang oder nicht, zuletzt selbst mit Großpapas Bürgerkriegsrevolver erschoss, Gipfel der Feigheit laut Sohn Ernest. Die Selbsttötung, die Selbstversenkung, doch keine Zweifel am Werkzeug, für Waffen war klein Ernest immer zu haben wie für leichtfertige Selbstbeschädigung, nach amerikanischer Erziehung und amerikanischen Möglichkeiten, god’s own country, durfte schon der Knabe mit zu Jagd und Fischfang, wird zumal im Westen ein noch nicht halbwüchsiger Knabe seine erste Kleinkaliberbüchse bekommen, tödlich für Miezekätzchen, Mäuse und Menschen und andere Ziele, weniger allerdings für etwaige durchgehende Stiere und massiv auftretende Grizzlies. Selbstmord ist Feigheit, apodiktisches Urteil und Gebot Hemingways und damit absolut gesetztes Verbot.

Was also geht mich ein alter Feigling an?

Sehr viel. Denn in all seiner Maßlosigkeit, seiner Übertreibung, in all seiner Hochstapelei war er doch, wenn nicht der Prototyp, so doch die Karikatur des Mannes an sich. Groß, schwer, sportlich, wild, gewalttätig, mörderisch, selbstverletzend, potent, klug bis zum sich selbst nicht mehr verstehen geschweige denn andere, Frauen etwa, seltene Gemeinsamkeit mit anderen großen und kleinen Männern, beispielhaft erwähnt der die Zunge herausstreckende Physiker, der dieses nicht verstehen können weiblichen Tuns und Wollens sogar benannte und mit der ihm simplen Physik verglich, oder auch der unglaublich vielseitige spanische Maler, der sich nicht nur mit Guernica verewigte, jenem Gemälde, dass jüngst zum Zwecke der Erläuterung eines Angriffskrieges der Amerikaner in der UN verhängen ließ, sic, und das Pablos eigener Meinung nach ja recht eigentlich von der deutschen Behelfsbomberluftwaffe gemalt worden war, oder auch jener größte der deutschen Dichter, der zwar irgendwann nach seinem Italienurlaub oder so nicht mehr der geschlechtlichen Liebe, dafür aber dem Tod konsequent aus dem Weg ging****.

Was also gehen Männer mich an?

Also, na, diese doch grenzüberschreitende intimere Frage möchte ich mir verbitten – oder ja doch, in Ordnung, geschlechtslose Wesen sind wir doch alle nicht, ich denke, dieses Geschlecht geht mich sehr wohl etwas an.

Ich sehe mich in einer Art Geisterspiegel: ich lehne erschöpft die Flinte an die Wand. Ich bin nicht mehr jung, alles wird so anstrengend. Unterwegs da draußen, suchend und jagend, bin ich geradezu ausgetrocknet, es ist heiß und hier im Haus zurück zudem noch stickig. Ich brauche etwas zu trinken! Nehme ich einen Mojito oder einen Daiquiri? Hätte ich keine leisen, fast stummen ach so sanften, so mörderischen Katzen, sondern gute Hunde, glockenlaute Hunde mit Nasen, Spürhunde, z.B. auch einen für die Suche nach reichen Sponsoren abgerichteten Schweinehund, den würde ich dann Manhatten Transfer*** nennen,  so wäre das angeschweißte Stück nicht im Dickicht verschwunden, entwischt, verludert. Wäre ich beim Schuss nüchtern gewesen, auch nicht. Ich trage zu meinem nicht geringen Erschrecken einen dichten, grauen Bart. Offenbar habe ich mich in Hemingway oder eine Art Klon desselben verwandelt, eine Karikatur des alten Mannes im Vexierspiegel der Zeiten voll Erinnerung und Vergessen.

Er ist beängstigend. Der Klon, der nach Alkohol giert wie nach Bestätigung. Nach allen Freuden des Fleisches, wie nach ungewöhnlicher Speise, Seegurken und Bisamratten** und was die Küche noch so hergibt. Denn nur das Essen ist wahre Befriedigung! Das wusste ich, der Klon spricht, schon mit 24 jungen Jahren. Alles andere ist Beiwerk, müßig, ermüdet, erzeugt Überdruss, auch Bewunderung, sogar die Bestätigung meiner Werke, die Bestätigung durch die Frauen und zuletzt vielleicht sogar noch der Alkohol.

Ich hätte vielleicht mehr Essen sollen? Und weniger saufen, schreiben, jagen, fischen, f…

Lauter Verben, Tunwörter, keine Eigenschaften, Tätigkeiten, das ist mein Metier. Das muss ich aufschreiben. Wo in diesem kreiselnden, torkelnden Raum ist mein Stehpult? Um mich dreht sich alles. Meine Frau, die wievielte noch gleich, genießt irgendwo ihr gutes Leben. Diese Frau, diese eine Frau, diese eine unter den Vielen – über mich wurde männlicherseits auch schon mal gesagt, es wäre mit meinen vielen Frauen alles in Ordnung, wenn ich sie nicht gleich immer heiraten zu müssen meinte -, hat sie mir Söhne geboren, hat sie den Löwen gefehlt, den dann ich erschoss? Oder war damals schon vieles anders, alles ganz anders, wann, was, wieviel habe ich denn damals getrunken? Und ich stehe hier, mein ganzes Leben umkreist mich, vage Bilder von Elefanten und Löwen, von Marlinen und Forellen, saufenden, eifernden Schriftstellerkumpanen und wundervollen, verräterischen Frauen und feigen, eigen- und ehrsüchtigen Männern überall. Und dort an der Wand steht die Flinte. Ein Fixpunkt. Ein Anziehungspunkt. Einzig ruhiger Punkt.

Ich nehme sie und werde… nun, ich werde sie in den Schrank stellen. Und mich dann an mein Schreibpult begeben, auch wenn es schon weit nach drei ist. Weswegen ich aber auch noch einen Schluck trinken sollte. Irgendetwas, das nicht gerade pures Wasser ist. Irgendetwas gegen diesen anderen, fatalen Durst.

Ich schüttle heftig den Kopf. Bin wieder ich selbst.  Bin nicht mehr ein sehr schwerer, sich selbst zu schwer nehmender alter Mann. Nein, ich möchte nicht Ernest sein. Das liegt mir nicht, das gebührt mir nicht, das steht mir nicht, dessen Sätze sind mir viel zu kurz, modern und schnell und es fehlt auch deshalb an erklärenden, vertiefenden Adjektiven. So, das musste mal gesagt werden.

Jedenfalls ist mir jetzt viel wohler. Ohne Suchtdruck, ohne dass mich die Flinte anzieht, krankhaft anzieht, aber dafür mit Hund. Guter Hund, liegt da, träumt mit gelegentlichem Zucken von Hasen und Fasanen und ruht. Zwar nicht so völlig in sich ruhend entspannt, wie es nur die Katzen können, aber doch so lässig, wie es nur ein Raubtier kann, so lehrreich für uns Übles denkende, ewig grübelnde Menschen. Hemingway sagt: „Es gibt keinen loyaleren Freund als ein Buch.“ Da hat er ja nicht so ganz und gar unrecht, aber wir erkennen überdeutlich, er hielt keine edlen italienischen Windspiele wie Fritz, der Alte, der seit er die Zweibeiner kennengelernt hatte diese so schmal zitternden Geschöpfe vorzog, keine Hunde, sondern eben Katzen. Na gut, ein Buch also. Der zweitbeste Freund des Menschen.

II. The vessel/man o‘ war*: the coward ship

Ein Mann kann etwas, vielleicht nicht eben alles, aber doch sehr viel für seinen Erfolg. Nicht aber für seinen Namen, schon gar nicht seinen Nachnamen, ganz anders als traditionell eine Frau, die darauf zu achten hat, worauf und womit sie sich einlässt. Und verheiratet. So darf auch dem Schauspieler und Dramatiker N. Coward sein Nachname nicht zur Last gelegt werden, was aber den Witz nicht entkräftet, dass der Selbst- und Machodarsteller Ernest mit ihm während der Dreharbeiten zu „Unser Mann in Havanna“, ja doch, dessen Anwesenheit bei so einem Stück mit etwas Kuba Libre ist ja eigentlich und recht besehen schon Scherz genug, der frauenverschleißende, alkoholvertilgende, mordende*****, gewalttätige Ernest, dem nur eines wirklich zuwider war, nämlich Feigheit, die Feigheit seines Vaters, die er diesem unterstellte, die Feigheit des Mannes, die diesen entmannt, unmännlich macht, mehr als es Homosexualität selbst in jenen Tagen, ja, mehr als es die Kastration, etwas, das er durchaus seinen Buchhelden zumutet, denn könnte, zusammensaß. An einem Tisch. Es gibt ein Foto.

Ernest sitzt mit dem leibhaftigen Coward zusammen, Hemingway mit der namentlichen Feigheit, seiner Nemesis. Dem schwulen britischen Schauspieler, der – auch? – wegen seiner angegriffenen Gesundheit schnell aus dem Militär entlassen wurde, gegen dessen Ritterschlag wegen seines Lebensstils der andere Macho jener Tage, Winston selbst, sein Veto einlegte. Genauso gut hätte Ernest bei der britischen Marine anheuern können und um einen Posten auf der Prince of Wales nachsuchen können, dem coward ship.

Erläuternder viel zu lang geratener Nachsatz: der eigentliche Held des Seegefechts (HMS Hood wird von der so widersinnig****** getauften Bismarck versenkt, HMS Prince of Wales, noch gar nicht ganz fertig gestellt, und Bismarck beschädigen sich gegenseitig, nachdem fast die ganze Brückenbesatzung tot ist dreht das – also feige! – britische Dickschiff ab, die Prinz Eugen, eh sozusagen nur zum Fotos machen dabei, wird zurückgeschickt, die Bismarck fährt allein und letztlich zu den gleichnamigen Heringen weiter, zieht eine Ölspur aufgrund der empfangenen Schäden, wird endlich aufgespürt und, durch Torpedos am Ruder beschädigt praktisch bewegungsunfähig, zu einem üblen Wrack zusammengeschossen. Ende der metallenen Heldensaga – immer das gleiche mit diesen militärisch – phallischen Schlagabtauschritualen.) war die Bordkatze. Die der fürchterlichen, gewaltigen, selbstmörderisch geführten und insoweit nicht feigen Bismarck. Dieser Seedämon, dieser bekrallte Klabauter überlebte die Versenkung des riesigen Schlachtschiffs und wurde gerettet, überlebte den Flugzeugträger Ark Royal und den Tribal Class Destroyer Cossack – Schiffe seiner Majestät, die das Viehzeug aufnahmen und prompt zu gegnerischen Zielen wurden – und kam schließlich als Maskottchen des Hafenmeisters zur Festung von Gibraltar, dieser standhafte Fels in der Brandung wurde erstaunlicherweise nicht versenkt, was die Begrenztheit der Seekatzenhexenkräfte beweist. Oskar hieß das Katzentier.

Immerhin eine Geschichte, die der Literaturnobelpreisträger Ernest vom Literaturnobelpreisträger Winston, ja, genau, Churchill, hätte hören können oder aus all den anderen Erzählungen, die über die stählerne Zeit – Full Metal Jacket? Oder sind wir jetzt gar schon bei Ernst Jünger, dem Prediger des vieledlen Dahinschlachtens? – kursierten. Hätte er was draus gelernt, lernen können? Etwa, dass gerade noch rechtzeitige Feigheit am rechten Ort, mitten im kalten Nordmeer, auch zu nichts führt, weil man dann Opfer japanischer Flieger im wärmeren indischen Ozean wird, wie das coward ship Prince of Wales in der nächsten Runde?

Abgesehen davon, dass ein schwimmender Haufen Stahl zu keinerlei, also auch keinen heldischen wie auch memmenhaften Gefühlen fähig ist, höchstens die mehr oder weniger hilflos den Mächten der See und den Mächten böswilliger Politik sowie den mehr oder weniger idiotischen Befehlen ihrer karrieresüchtigen und ordensgeilen Offiziere ausgelieferten Jungs in Marineblau an Bord, die darauf überwiegend stolz sind und mit ihrer Uniform, kleidsam flatternd der Exerzierkragen, der ursprünglich keineswegs wie von mir vermutet als Schutz vor seekrankheitsbedingtem Labskausauswurf, sondern vor Teer gedacht war, die Mädchen verrückt machen. Also, natürlich nicht auf Gefühle an sich, sondern auf das mutig voran allezeit Helden spielen stolz sein wollen und sollen! Und auf ihre saubere Matrosenuniform. Abgesehen davon erinnere ich daran: der Gipfel der Feigheit ist laut Ernest und durchaus einigen anderen Fachleuten die Selbsttötung, womit wir wieder bei der Bismarck oder auch der Admiral Graf von Spee und anderen Stahlkähnen wie etwa HMS Manchester verweilen könnten aber hier nicht wollen, das führt uns zu sehr vom Kurs ab.

Flucht vor dem Unausweichlichen ins Unausweichliche. Diesen letzten Schluss, diesen finalen Schuss vollzog denn auch Ernest selbst, gewissermaßen seinem Vater Abbitte leistend, ihn zumindest erreichend, einholend. Dummerweise kann man die Toten nichts fragen, da hilft alles Tische rücken nicht, so dass ungeklärt bleiben muss, ob der berühmte Mann daran überhaupt dachte, in seiner Verzweiflung überhaupt merkte, was er da widersinniger Weise gegen jedes seiner Prinzipien umsetzte, das, was er ja dem Mann per se verboten hatte, die feige Tat an sich. Welche durchaus schreckliche Familientradition er da fortsetzte. Wie sehr er sich, sein Selbstbild, verneinte.

III. Eros. Das unentrinnbare Verderben, das ist nicht der Tod, der unausweichliche, das sind die Frauen

Nochmals sei auf das seltsame Zitat des George Bataille verwiesen, nebenbei auch ein eigenartiger Name, passend zum Hauptthema. Georg, ergo Drachentöter, aber dann Kampf, Schlacht? Bataille eben? Womöglich, siehe Zitat, Kämpfer gegen das schon der Religion bekannte Haupt des Drachen, neuerdings Mutter aller Drachen, das Weib an sich? Darf dessen Haupt nicht mehr exklusiv die einzige Jungfrau zertreten, womit seit jeher klargestellt wird, was bei ihr stets gemeint ist, nämlich ihre unterdrückte Weiblichkeit, sondern muss das endgültig der diametral der Jungfräulichkeit entgegengesetzte Lanzenträger tun?

Wir lasen es jedenfalls wiederholt, nebeneinander und die übrigen Wünsche bis auf den das Kätzchen streicheln Wollenden ausgrenzend kuschelig im Bette liegend an jenem ruhigen Morgen und sprachen unisono: „nein. Das klingt falsch, verkehrtherum. Das muss zwingend heißen: die wilde und verzweifelte Erotik der Gewalt.“

Hat die Frau damals den Löwen verfehlt? Oder hat er selbst ihn, da Ernest zu besoffen war, wie es zumindest bei der zweiten Afrikareise grausame Regel war, nicht getroffen? Selbstverständlich muss ja der Mann, dieser prototypische Mann die große Katze, die wild bemähnte und tatsächlich zahnstarrende Pussy erlegen. Und den riechenden Fisch im Dunkel da unten erreichen, hervorholen ans Licht und dem Geheimnis entreißen aus den haltlos flatternden Röcken gleichenden Wellenfalten, aus dem Schoß des Ozeans. Und die ihm Konkurrenz sein wollende Urgewalt des heranstürmenden Rhinozerosses ausbremsen wie überhaupt das Leben. Denn die Frau gibt, der Mann nimmt Leben, das ist ein Urgesetz, eines der dümmsten, die je gemacht wurden. Das heißt natürlich, im zweiten Teil!

Gewalt, Pathos, Machotum, das steht den Herren der Schöpfungsvernichtung gut an. So erobern sie und zerstören gleichzeitig die Welt und die Frauen. Gebt es doch zu, ihr Schwestern: es liegt gar nicht allein an den aufdringlichen, jungen, testosterongeladenen Burschen. Sondern an euch, euch gefällt doch der klimpermetallene Schwulst, ein Offizier, also nach dem klugen Herrn Tucholsky ein (Berufs-) Mörder, der euch gegenüber auch Gentleman ist – nach dem alten Spruch, dass ein Gentleman der ist, der sich als solcher benimmt, solange er mit der Frau in der Öffentlichkeit ist. Danach – Vorhang!

Und dahinter dann weg mit den verbleibenden verbergenden Tüchern und Schleiern.

Stünden die Mädels nicht auf Leutnants gäbe es, nun, gewiss nicht keine aber viel weniger Kriege – denn für wie todesdumm und strunzmutig haltet ihr die Burschen denn? So einer kann den Schwanz schon einziehen – aber doch nicht, solange sie zuschauen! Sie! Wie trieben schon die alten Sachsenweiber, damals noch jung, ihre Kerle in die aussichtslose Schlacht gegen die Franken? Mit heulendem Gekreische und dem Sieger Vieles versprechend entblößten Brüsten! Wie begrüßten die alten, damals noch jungen Griechinnen die paar überlebenden Sieger von Marathon? Raus mit den Zitzen aus dem züchtigen Gewande! Wer trieb die Maorikrieger zur nützlichen Eiweißernte, denn sie waren schließlich Kannibalen? Das gellende Schreien und Augenrollen des Weibsvolkes! O Lysistrata! O Aristophanes!

Doch wehe, er kehrt zurück. Mit dem sicherlich blutigen Speer und Schild, zu ihrem gemeinsamen Glück nicht speerlos liegend auf dem Schild. Eventuell aber auch ehrlos, wehrlos, humpelnd ohne Schild. Verletzt, verängstigt und erschüttert von all der Gewalt im Schützengraben und verstört vom Niedermetzeln der Gefangenen, vom Opfern der Jugend, der Söhne. So wirst du Gewalt erleben, Weib, und zwar die, die du mutwillig, vielleicht unwissend, selbst mit hervorgebracht.

Was für ein irrsinniger Kreislauf. Die daraus entstandenen Söhne werden wieder zur Gewalt erzogen, die Töchter aber in zwar lästernd kichernder, aber doch gegebener Verehrung derselben.

Wieviel schöner ist doch die Liebe, die wir pflegen. Denn sie ist ja pflegebedürftig, sie liegt darnieder, als schwach und krank gilt sie, liebeskrank wohl gar wie ihre Protagonisten, H. Heine meinte dazu auf seine freilich durch schwere körperliche Krankheit pointierte Situation bezogen: „sie ist ein leidendes Kätzchen/ und er ist krank wie ein Hund.“

Heilen wir sie mit mütterlichen Worten, mit Blümchen und Bienchen und Sonnenschein? Nein. Lassen die Männer den weiblichen Anteil zu, der sie menschenähnlicher, vollständiger, der Frau, der Mutter ähnlicher macht, oder verlieren sie durch die nach dem Ananda Tantra so geformte Feige, die Yoni, ihr geschätztes Lingam, das doch richtig benutzt auch viel Freude machen kann? Wie schon die einst als mächtiger Abwehrzauber angesehene Mano in fica zeigt? Denn Feige, das ist doch die weibliche Frucht. Darum fürchtet ihr Männer euch so sehr davor, feige zu sein, ja, so hieß es doch, weibisch zu sein!

Ja, ja, die feigen Frauen, die Feigenträgerinnen. O nein, die Feige fürchtet ihn nicht, sie empfängt ihn. Stärker ist sie, immer, ausdauernder, sie verschlingt ihn und genau das fürchtet er. Und dann wird das Ungeheure möglich, sie wölbt sich, sie wächst über sich hinaus, sie dehnt sich, wird immer runder und praller und gebiert in eruptiven Krämpfen das Neue, neues Leben. Unerwartetes und Unbekanntes. Ewiges Mysterium.

Frauen fürchten sich alle, meist übertrieben, vor dunklen Wegen, vor Spinnen und Schlangen und oftmals vor dem Einparken. Aber meistens doch nicht vor dem regelmäßig fließenden Blut, nicht vor dem immer wieder erneuerten Leben. Denn sie sind Feige. Sie besitzen sie, sie beherrschen sie, sie sind, ob die so nahe verwandten Bibel oder Koran oder die alten Liebesgöttinnen der Antike befragt werden, in heiligem Sinne Feige.

Und ist das immer wieder erfolgende und sich von Mal zu Mal so ähnlich abspielende Treffen von Mann und Frau, von Östrogenüberschuß und Testosteronüberschuß jetzt moralisch, gut, oder amoralisch, schlecht? Nun, lassen wir Ernest selbst antworten: „Moral ist das, was sich danach gut anfühlt. Unmoralisch ist alles, was sich danach schlecht anfühlt.“ Das also als eine, seine Antwort gesetzt kommt’s drauf an, aber wer sich auf Sex, im deutschen umständlich als Geschlechtsverkehr verschrien, und auf diese Betätigung läuft die Begegnung der zwei Geschlechter doch dramatisch unaufhaltsam hinaus, einlässt und sich danach schlecht fühlt, hat eh einen klaren Fehler gemacht. Einen, der meistens auch vorher schon absehbar war. Fühlen wir uns hinterher gut, so war es in jeder Richtung und nach jeder Wertung völlig in Ordnung. Fatal halt, dass sich für das benachteiligte Geschlecht dieses ominöse Danach ziehen kann bis so ein Monat sich rundet. Erst dann ist ihr der je nach Lebenssituation so oder so zu wertende Erfolg einigermaßen gewiss.

IV. Am Ende des Lebens wartet der Tod. Verlässlich, immer.

Es heißt, Ernest H. habe unter einer bipolaren Störung gelitten. Er wurde u.a. mit Elektroschocks behandelt. Die Psychiatrie, insbesondere die recht brutalen Behandlungsmethoden, war damals im Vergleich zu unserem gerne eingebildet selbstgewissen heutigen Verständnis noch nicht sehr weit entwickelt, aber mag das sein, wie es will, war es eine Solche, was für ein armes Schwein. Oder war es eine durch exzessiven Alkoholmissbrauch erzeugte Depression? Möglich ist auch das, es wäre aber auch vorstellbar, dass der äußerst gesellschaftsfähige Alkoholabusus eine probate Selbstmedikation war, die natürlich half – bloß bedauerlicherweise immer nur für den Moment. Danach der Kater. Sicher glauben wir nur um das Endergebnis zu wissen, Selbstmord. Ein recht trauriges Ende, das er freilich mit erstaunlich zahlreichen anderen Menschen, gerade auch mit vielen Künstlern teilt. Mit dem erfundenen Werther ebenso wie mit dem bereits zitierten klugen Kurt Tucholsky, den wortgewaltigen Heinrich von Kleist und Stefan Zweig und noch Vielen mehr, die teils aus Verzweiflung über die Welt und die Menschheit an sich, aus zutiefst verstörender Überempfindsamkeit, teils aber auch aus ganz konkreter Verzweiflung über die grausigen Zeitläufe nur noch eines wollten: nicht mehr sein.

So vieles hätten gerade diese uns noch sagen können, auch zu sagen gehabt, doch sie wollten verstummen. Wie schade für uns, die Nachgeborenen. Lesen wir solange das, was sie uns hinterlassen haben. Immer wieder. Doch noch mehr, man ist versucht natürlich zu sagen, taten es nicht, verstummten nicht eigenmächtig. Harry beziehungsweise Heinrich Heine zum Gegenbeispiel oder auch die Prager Elster können wir anführen, als Junggeselle der Weltliteratur ist Kafka ja auch insofern zum Antipoden Hemingways geeignet, vielleicht hatte H.H. auch einfach die Kraft zum Ende nicht mehr, sondern er litt entsetzlich bis zu diesem. Und hat in dieser langen Zeit übelster Krankheit einige seiner großartigsten Gedichte geschrieben, aus seiner Lotosblume wurde weiter oben schon zitiert!

Hemingway erschoss sich. Das ist kurz, endgültig, brutal. Es passt zu ihm weit besser, als eine Überdosis Schlaftabletten wie Tucholsky sie nahm. Doch auch sein Vater erschoss sich, und Ernest urteilte hart über diesen, folglich über sich selbst und dieses Urteil bleibt schwebend über seinem Andenken.

Ich wollte nicht der Mensch sein, gar noch der Angehörige, den das grausame Schicksal dazu auserkor, ihn und die zwangsläufig blutverspritzte Horrorszenerie zu finden. Doch wer sich selbst zu töten fest entschlossen ist denkt nicht mehr viel an die, die noch bleiben. Noch an sein eigenes Andenken. Schließlich ist ganz bald, gleich, jetzt! – endlich alles und endgültig vorbei. Alles, jeder Schmerz und jede Liebe, Freude und Leid, Atem und Herzschlag, diese lästigen chemischen Botenstoffe und elektrischen Impulse dort im Gehirn, alles wird ruhig, alles ist vorüber, Grabesruhe, Grabesstille endlich. Und kalt ist das Grab, doch du wirst es nicht mehr spüren. Nichts mehr spüren, nichts mehr beweisen müssen, Friede der Seegurke, Friede dem Mojito, Friede der Asche.

Ich liege immer noch im Bett. Doch jetzt ist mir kalt, jetzt bin ich allein, warum hat sie mich alleingelassen? Ganz allein, denn letztendlich ist der Mensch auf sich zurückgeworfen immer alleine. Niemand kann so nahe kommen, dass er durch diese Gedanken wärmt. Dies hier, auch meine Tränen jetzt, sollen nicht nur für den großen Schriftsteller, der vom kurzen, glücklichen Leben des Francis Macomber schrieb, sondern auch für euch andere sein. Hier wollte ich enden, denn diese Geschichte ist mir von allen Erzählungen Hemingways am Liebsten.

Doch gerade bin ich über ein Zitat gestolpert. Ihm wird der folgende Satz nachgesagt: „Um ein erfolgreicher Vater zu sein, muss man vor allem eine Regel befolgen: man darf das Kind die ersten zwei Jahre nicht beachten.“ Und jetzt weiß ich nicht, soll ich den Schöpfer dieses Satzes verachten oder bemitleiden. Oder einfach schließen, dass er halt ein Kind seiner Zeit, einer grässlich gnadenlosen Zeit, nicht nur im toll- und todeswütigen Europa, war? Einer Zeit, in der es absolut unüblich war, dass ein Mann einen Kinderwagen schob. Einer Zeit, in der es offenbar keine Liebe gab, in der er sich schwertat, solche zu erkennen, solche zu geben und wahrscheinlich wenig davon empfangen hatte. Aus individuell familiären Gründen womöglich, wer weiß, ob der Satz originär von ihm stammt, oder er ihn schon von väterlicher Seite gelernt hat, aber auch aus der Sitte der damaligen Gesellschaft heraus, die gerade für Jungs nur Härte gelten ließ, für Mädchen nicht viel weniger, aber gepaart mit der typischen Verachtung für jene, die die als richtig angesehene Brutalität in Schule und Leben nicht ertrugen. Was für eine schreckliche Zeit, was für ein armseliges Leben. Kein Fest fürs Leben, nicht in Paris, aber erst recht nicht in den angelsächsisch geprägten Ländern – oder gar rechtsrheinisch! Was machte eine so furchtbare Gesellschaft aus dem Knaben, den die Mutter zunächst beständig wie ein Mädchen kleidete, ihn also mit Sicherheit auch in seiner frühen Rollenfindung verunsicherte? Was wissen wir davon? Begann etwa da schon sein Zwang, sich zum Über – Mann, zur Männerkarikatur zu bilden und sich als Mann zu beweisen bis zur endlichen, endgültigen Negation? Zur endlichen Selbstzerstörung in der erlebten, empfundenen Lieblosigkeit.

V. Katzenhaft

Warum habe ich über stählerne Särge auf und unter grauschäumenden Wogen geschrieben? Nun, Ernest war immer dem Meer verbunden und nicht nur in seinen Geschichten dem Tod, fing die stolzesten, kämpfenden Fische, meinte sogar, er müsste mit seinem Privatboot in blauer Karibik Kriegspatrouille fahren und damit irgendwelche U-Boote erschrecken. Und dann sind nicht nur die schwimmfähigen protzigen Metallteile beeindruckend, sondern auch die angelsächsische Ausdrucksweise – ein feiges Schiff! Aber für die Anwesenheit der exhibitionistisch ihre eregierten Geschützrohre vorstreckenden tonnenschweren Verschwendungen schlich sich noch ein ganz anderer Auslöser auf leisen Sohlen, besser Zehenspitzen herein. Ein ganz eigentümlich und sich wiederholender. Im Museum, im letzten Haus der Hemingways wohnten mehr Katzen als Menschen. Wohnen dort, habe ich gelesen, immer noch. Der große Schreiber, der gnadenlose Großwildjäger war ein Katzennarr. Bin ich der einzige, der sich fragt, wie das Zusammenpasst? Diese faszinierenden, sanften, vogelmörderischen kleinen Geschöpfe und der große, oft grobe Mann. Der Todessehnsüchtige und die mit den 9 Leben. Der verkrampfte, alkoholabhängige Selbstdarsteller und die entspanntesten aller Wesen. Diese landläufig als feminin wahrgenommenen Samtpfoten, die einziehbaren scharfen Krallen sind da kein Widerspruch, und der Aufmerksamkeit heischende, Laut gebende, sein weites Revier markierende, oft so raubauzig auftretende Typ? Hunde hätten doch viel besser zu ihm gepasst, wenn auch nicht der parfümierte Pudel Nobels, als den sich der frustrierte, vielverletzte, selbstmitleidige Schriftsteller nach der Preisverleihung selbst sah. Aber ein unter dem Baum, auf den sich eine Kleinkatze, ein Puma etwa geflüchtet hat, bellendes, geiferndes Rudel Coonhounds. Oder ein vierschrötiger und einer guten Rauferei nicht abgeneigte American Bulldog. Ja selbst ein den Angler begleitender weichmäuliger, kältefester Retriever oder American Water Spaniel!

Aber nein, Katzen. Diese eigenartigen, anziehenden Geschöpfe mit dem weichen Pelzchen – und den überall zu findenden verräterischen Haaren – mit dieser Fähigkeit, sich selbst zu genügen, aber großzügig Streicheleinheiten schnurrend anzunehmen wie auch Futter, dass sie sich doch so leicht mit dem nächsten Anschleichen und Springen selbst besorgen könnten, was sie selbst gesättigt noch tun, denn der Trieb zum Jagen und Töten wohnt ihnen inne. Flink und beweglich, gewandt sind sie, die Katzen, und leise, zumindest die meiste Zeit des Jahres, ständig auf kätzische Sauberkeit und geleckte Körperpflege bedacht. Weiblich erscheinen sie uns und selbst der vierschrötigste, zerrupfteste Kater verfügt noch über jene tänzerische Eleganz, jene unglaublich perfekte Körperbeherrschung, der ihn uns derart elegant erscheinen lässt, wie dies für Turner, Tänzer, männliche Ballettkünstler zumal, zutrifft, alle halt, die nicht breitbeinig trampelnd wie ein hart trinkender Seemann, ein Preisringer oder Holzfäller daherkommen.

Also wie er. Er musste seine absolute und ausschließliche Männlichkeit doch stets und immer unter Beweis stellen. Männlich ganz klassisch und traditionell noch nicht einmal primär sexuell verstanden, sondern als Aggressivität, Kampfeslust, Abenteuerlust, Schaffensdrang, wobei das Schaffen gerne Zerstörung sein darf, Mordlust, Geltungsdrang. Kamen in jener seiner Zeit nicht auch diese leicht asexuell wirkenden und dabei hypermännlichen Superhelden in Amerika auf, von eher lustig, wie Popeye, bis zu ganz und gar idealisiert und damit außerirdisch wie Superman selbst? Typen, die regelmäßig die ganze Welt retten, drunter tun sie’s nicht, aber dabei unglaublich viel Material plattmachen, die menschlichen Opfer, Kollateralschaden halt wie in wirklichen Kämpfen, werden nicht näher gezeigt und spezifiziert?

Anders gefragt, haben diese Amerikaner zu viel von Friedrich Nietzsche gelesen und ähnlich schlecht verstanden wie die hiesigen Interpreten? Wollten sie Übermenschen sein, wie des Kleinkriminellen Karl May zusammenphantasierter Old Shatterhand, der insofern sehr amerikanoide Prügelchrist? Wollten sie vielleicht Giganten sein wie in ihren eigenen Filmtiteln? Den Leuten drüben überm Teich kann man allerdings zugutehalten, dass parallel zu ihren überhöhten unfehlbaren Helden, zu denen sie seltsamerweise ausgerechnet den jeweils amtierenden Präsidenten zählen und ihre Generäle und Finanzjongleure, immer die Marx Brothers oder ein Chaplin auftauchten und die ganze Sache wieder geraderückten.

Kann ich die Frage beantworten, warum er Katzen so sehr mochte? Und die Frauen, was vergleichsweise als mehr oder weniger normal gilt? Warum er aber, Seitensprünge herausgerechnet, so etwas wie serielle Monogamie betrieb? War es die ewig unbefriedigte Sehnsucht nach dem sanfteren, dem weiblichen Anteil, den er in sich nicht suchen durfte, nicht finden konnte? Zerbrach er daran?

Katzen also. Katzen jedenfalls. Diese per Definition souverän ungetreuen einzel-, ja fremdgängerischen Wesen. Die sich selbst genug sind, kurze Phasen ihres Lebens ausgenommen, in denen sie rollig sich wälzen oder in der Folge sogar Milch geben. Der Starke ist am Mächtigsten allein lässt Schiller schon den Schweizer Nationalhelden sagen, und jeder Kater wird dies lauthals bejahen. Warum bin ich so allein, ich bin doch nicht stark? Warum bin ich verlassen, von der Liebe, der Liebsten verlassen? Die Wohnungstüre geht auf. Zumindest äußerlich endet jetzt die Einsamkeit und das Glück, es mag eintreten.

„Endlich, da bist du ja wieder! Wo warst du? – wie, beim Bäcker um die Ecke, so lange?“ – „Was, ich soll nicht so misstrauisch sein? Was soll das heißen, wenn ich so zickig eifersüchtig bin kann ich auch wieder gehen? Bleib! Bleib bei mir, du ahnst ja nicht, wie allein ich hier bin, wie allein ich durch diese ganzen Zeitläufe und Abenteuer irrte! Wie nah ich dem Ende war!“

Ach so, ja, Welche Abenteuer denn, die Frage steht ihr ins Gesicht geschrieben! Höchst eigenartige Bettabenteuer, so ganz alleingelassen. Wie soll sie das verstehen! Sie hat ja gerade noch den Philosophen George mitbekommen. Aber meine Reise durch die Ernest – Hemingway – Welt nicht. Kann sie nicht, kann niemand. Vor allem diesen schrecklichen Moment, als ich er war und gezwungen, getrieben seine Flinte ins Auge fasste. Niemand wird dies je nachvollziehen können. Ich brach wieder in Tränen aus. Diesmal nicht um all diejenigen, die uns zu früh verlassen haben, obwohl ihre Worte nicht aufgebraucht waren. Sondern um mich.  Damit machte ich sie noch wütender.

„Du verstehst nicht. Kannst du auch nicht. Ich war so allein und so weit weg,“ klagte ich jämmerlich, schön zugedeckt immer noch im Bette liegend. Ich musste mir anhören, ich sei ja wohl völlig verrückt und nickte nur. Ich sei eine gestörte Person, die dringend zum Arzt müsste, darauf lächelte ich, wenn auch noch unter Tränen: „kommen sie, Frau Doktor. Ich möchte untersucht werden. Aber nur von ihnen!“ Seufzend, theatralisch die Arme über den Kopf hochwerfend und die Augen rollend kam sie. Die Untersuchung war rein auskultatorisch, sie benötigte nicht einmal ein Stethoskop, sie fühlte den Schlag meines Herzens auch so, kein Hämmerchen war nötig, um meine Reflexe zu testen.

Es ist schön, den Pelz des Kätzchens zu streicheln. So weich, so sanft. Manchmal muss man, manchmal fühlt man sich danach, auch gegen den Strich streichen, wohl auch den kitzelnden, fliegenden Haaren nachzuschauen. „Du bist so schön und hold wie einst Schneewittchen,“ flüsterte ich ihr ins Ohr, dachte aber an Snow White, Hemingways Glückskatze in Key West und ihre zahlreiche, sechszehig glückbringende Nachkommenschaft. Sie murmelte schläfrig: „Und du die kontrollsüchtige alte Hexe, vor der du selbst immer Angst hast.“

Es ist wohl an mir, aufzustehen, ihre mitgebrachten Croissants zu streichen und Kaffee zu machen. Kann ich dann, damit auf eine Metaebene gehen, dort eine Art Prinzgemahl, sei’s Prinz, sei’s Prinzessin, sein, der das lieblichste und schönste aller Wesen, aller Mädchen auferweckt zu neuem Leben, dich wachküßt? Oder tauge ich nur zur feigen Jagd auf das wehrlose, noch kindliche Schneewittchen und ersatzweise den ebensolchen Frischling, um die Schweineleber der bösen Stiefmutter zu bringen, braten und kredenzen?
Leber mit Zwiebeln, mit Äpfeln. Ich glaube, das koche ich nachher, das gibt es heute Mittag. Denn das Leben, unser Leben geht weiter. Nicht ohne den unvermeidlichen, den Tod. Für das Kälbchen, das Schweinchen, die Zwiebel ebenso wie für dich und mich und alle. Doch über den Tod reckt sich das Leben mit der Kraft der Liebe.

 

 

*man o‘ war: Cocktail mit Whisky, unbekannt, ob den Ernest kannte/trank; aber auch schon vor der alkoholischen Erfindung englische Bezeichnung für: Kriegsschiff

**das habe ich mich immer wieder, seit ich dies so las, gefragt: waren das im Original tatsächlich amerikanische Wühlmäuse, Bisamratten (Ondrata zibethica L.) oder womöglich ein Fehler in der Recherche oder Übersetzung, also etwa meerschweinchenverwandte Nutrias (Myocastor coypus), sogenannte Biberratten? Die wegen des Geschmacks manchmal Wasserkaninchen genannt werden, da ja eh keiner zwischen Nagetieren (Rodentia) und Hasenartigen (Lagomorpha) unterscheidet.

***berichtet wird, dass H. dem befreundeten, konkurrierenden Autor John Dos Pasos offenbar neidvoll genau das vorwarf, geldgeil zu sein und stets potente Sponsoren aufzuspüren. Zerstritten haben sie sich über unterschiedliche Ansichten zu (politischem) Mord und Totschlag, die Ernest für die gute Sache notwendig und ganz in Ordnung fand.

****nachdem ich schon gefragt wurde: zunächst Einstein, der sich auf das Frauenwechseln verstand, zuletzt Goethe, der vor dem Leid, dem Schmerz und dem Tod seiner Nächsten, seiner Mutter, seiner Frau, seines besten Freundes Schiller floh, sich versteckte, dazwischen Pablo, nicht Neruda sondern Picasso. Und das scheint gar nicht allgemein und geläufig zu sein: die deutsche Legion Condor, die die faschistische Revolte gegen die gewählte Regierung in Spanien unterstützte, erprobte das Ausradieren, das totale Zerbomben (mittels hauptsächlich ihrer umgebauten Transporter, so wie die Italiener in Äthiopien, dem bis dahin ältesten bestehenden christlichen Königreich der Welt, diese freilich mit geächtetem Giftgas) einer Stadt, der spanischen Kleinstadt Guernica, was P.P. zu seinem Bild veranlasste. Dieses dramatisch vor dem Krieg, vor den Bomben warnende Bild, das aus gutem Grund die UN in New York ziert ließen die Amis vor dem zweiten, dem total un- oder vielmehr nur durch Lügen begründeten Irakkrieg, verhängen! Wollten der eigenen Entlarvung nicht ins Auge schauen… P.P. jedenfalls sagte anscheinend zu einem deutschen Offizier, der ihn in Paris auf sein Bild ansprach, nicht er habe es gemalt, sondern sie, die Deutschen. Eben mit Blut und Bomben. Aber es geht ja um Frauen: auch P.P. war ebenso wie die anderen erwähnten ein ziemlicher Frauenheld, der recht großzügig mit deren Zuneigung umging.

*****Ja doch. Zum einen zog er wiederholt und freiwillig in den Krieg, und was tun Männer in Kriegen? Und er führte einen Kampf, einen Krieg regelrecht – Amerikaner führen gegen alle möglichen auch toten Dinge Krieg, etwa gegen Drogen, ich habe keine Ahnung, wie das geht – gegen die Tierwelt. Noch galt es als schick für reiche Leute, aber die Löwen und Nashörner und Marline wurden damals schon erkennbar weniger, ein weißer Profijäger wie z.B. F. C. Selous hatte das schon Jahrzehnte vorher erkannt! Das ist kein Satz gegen die Jagd, diesen traditionellen Nahrungserwerb aller Fleischfresser und Gemischtköstler, wie es der Mensch seit Anbeginn ist, an sich, möchte ich anmerken, aber es ist die völlige Verurteilung eines sogenannten zivilisierten Menschen, der es fertigbringt, womöglich nur wegen einer lächerlichen Trophäe, ohne äußere Not ein ohnehin schon seltenes, vielleicht gar vom Aussterben bedrohtes Lebewesen zu morden!

******Ficus carica, die echte Feige. Vielfach Symbol für das weibliche Geschlechtsorgan und für das fruchttragende an sich, also wiederum das Weibliche (wobei wir nicht vergessen wollen, dass es sehr viele Feigenarten gibt, so in den Tropen die Würgfeige (z.B. Ficus benghalensis)…; Yoni und Lingam, vereinfacht weibliches und männliches Geschlechtsorgan, aber auch Symbole für die göttliche Schöpfungskraft (und ihr Gegenstück), nicht umsonst saß der Buddha unter einem Feigenbaum; mano in fica, Feigenhand: ursprünglich durchaus angesehenes Schutzsymbol, heute eigentlich nur noch ablehnend – beleidigend verwandt, „fick dich.“ Ach ja, die Feigenhand lieber nicht in südlichen Ländern zeigen, könnte zu Problemen führen.

******nur für wirklich Interessierte: Bismarck kann man manches vorwerfen, aber nicht mangelnden Realitätssinn, Sinn für die „Kunst des Möglichen.“ Er war gegen Kolonialabenteuer und gegen unnötige Feindschaften, wie etwa durch übertriebene Flottenrüstung Großbritannien zu verärgern und mußte folgerichtig als Lotse, wie es im Punch so schön dargestellt wird, von Bord gehen. Tirpitz war da schon der passendere Name.

Hochauflösende Grafik

„Nennen sie mich bitte Ali. Das tun alle hier. Ja, wir sind diese typischen Computernerds, jeder von uns bastelt an diesen Teilen rum, programmiert, entwickelt neue Algorithmen. Doch, doch, ja, wir verdienen ganz gut, selbst die ganz großen Firmen klopfen an, keine Namen, versteht sich. Ich zum Beispiel habe das hier – schauen sie sich den Bildschirm an: das nenne ich doch mal eine hochauflösende Grafik, oder? Da können sie jedes noch so komplexe Spiel drauf spielen, das reicht ihnen auch für irgendeine Entwicklungssoftware im technischen Bereich oder Darstellungen aus medizinischen Untersuchungen, was sie wollen!“

 

„Hallo, ja, ich bin Ted, nett sie zu treffen. Sie wollen sehen, was wir hier basteln? O ja, das ist unser neuestes Baby. Winzig klein, fliegt in jeder Höhe, steuert autonom und dank dieser Kameras mit dieser hochauflösenden Grafik können sie alles sehen, präzise – das nehmen auch die Leute von der Polizei oder vom Geheimdienst gern, aber auch Ranger draußen in den Schutzgebieten, wir haben schon mehr als einen Waldbrand entdeckt, bevor es überhaupt ein richtiges Feuer werden konnte! Oder die Farmer, wenn sie ihre Felder kontrollieren. Ob es was am Boden erschrecken kann? Na, hehe, nur wenn es erschrecken soll… ach, sie meinen irgendwelche Vögelchen, nicht etwa ein paar unerlaubt Vögelnde in einem Feld? Zurück zum Thema! Das Ding ist wirklich große Klasse und gar nicht mal so teuer. Ja, und das ist seine große Schwester. Die fliegt weiter, höher und kann wesentlich mehr schleppen! Was? Na, alles was sie wollen und brauchen!“

 

„Hi, ich bin Mike. Es ist ja immer schon ein Hobby von mir, ich treib‘s in der Freizeit wie hier. Ja, ich sitz gern vor Konsolen und leg dann los, stundenlang. Hier, sehen sie – dank dieser hochauflösenden Grafik ist das inzwischen wirklich ein großartiges Bild. Jedes Detail, besser als in echt, das könnte unser Auge so gar nicht entdecken, erst wenn das Programm die Kleinigkeiten herausarbeitet, deutlich macht, entdecken sie immer wieder Neues, dann wird’s interessant! Und sie können, hier, der Stick, eingreifen, angreifen wie sie wollen. Du steuerst, du fliegst zunächst völlig unentdeckt, dann näher ran, du siehst, was sie so treiben, diese Terroristen, da, der da bastelt dauernd an seinem Auto herum, wahrscheinlich baut er eine Bombe draus. Oder die hier auf dem Dach, sagen sie, was machen normale Menschen auf dem Hausdach, ist doch nicht normal! – aber das ist alt und außerdem streng geheim. Ich darf das gar nicht zeigen. Aber egal, was immer die vorgehabt haben, die werden es nicht mehr tun. Die werden gar nichts mehr tun. – Woher ich weiß, dass das Terroristen waren? Na, jetzt mal im Ernst: das sind die da unten doch alle, oder etwa nicht? Das mit den Zivilisten, die wir schützen, das ist doch Kinderkacke für die Presse. Die zum Beispiel da: die Weiber haben sich immer im Haus verkrochen, wenn wir kurz mal drüberflogen. Dabei war die echt nicht schlecht, hähä, die haben ihre doofen Kutten ja nicht an, wenn sie auf ihrem Dach rumtanzen und glauben, keiner schaut hin! Was weiß ich, was die da machen und in ihren Eimern verstecken, Wäsche oder Lebensmittel oder Waffen, interessiert mich auch nicht.“

 

„Marhaba, treten sie ein. Ich bin Hussain und das ist mein Haus. Oder besser, der Rest von meinem Haus. Halt eine Mauer. Ich mache uns Tee. Mehr kann ich ihnen leider nicht gut anbieten, ich bin ganz alleine hier. Ja, sie sind alle tot. Meine Tochter, Aisha, sie war noch so jung, auch sie. Da war diese Feier, viele Leute. Und dann diese Explosion.  Viele waren sofort tot, andere verletzt, es brannte, alles, was konnte, schrie und rannte. Ich versuche ständig, meinen Sohn anzurufen, sie wissen schon, Ali, ich will ihm Bescheid geben, er muss es doch wissen, aber ich erreiche ihn nicht.“

 

„Natürlich, wir können gerne noch weiter über meine hochauflösende Grafik sprechen. Ich könnte ihnen stundenlang erzählen, alle technischen Details. Aber wenn sie mich einen Moment entschuldigen – da will mich ständig jemand am Telefon erreichen. Einen Augenblick bitte, ich geh mal ran. Ein Auslandsgespräch. Die Nummer – das ist mein Vater. Er will mir sicher von zu Hause erzählen. Von meiner Schwester, sie soll bald heiraten, es waren schon Freunde und Verwandte der Familie da. Ein großes Fest, ich konnte leider nicht Dabeisein!“