Ich, Autor

(je nun, erklären… nein, ein Krimi ist es nicht. Sondern einfach die wahrscheinlichste Innenansicht eines (verkannten??) Künstlers..)

Sie kennen mich nicht? Das wundert mich nicht. Aber sie müssen wissen, nein, sie dürfen wissen: ich bin eigentlich Schriftsteller. Autor. Ich war immer ein Schreiber, also gut, ja, fast immer, schon sehr lange – Geschichten habe ich mir ausgedacht, da war ich noch der Kulturtechnik des Schreibens fremd.
Aber natürlich kennen sie mich nicht. Das will ich ihnen erklären. Ich habe immer an meiner Art zu schreiben, an meinem Stil gearbeitet. Ihn verbessert. Ich habe Manuskripte vollgeschrieben. Schließlich wagte ich erste Veröffentlichungen – in der Schülerzeitung, in der Tageszeitung, in Literaturzeitschriften.
Sie wurden nicht genommen. Ich zweifelte an mir, grübelte, schrieb um – und gelangte schließlich zu der Erkenntnis, dass es die Rezeption war, die ungenügend war. Die Empfänger, die Lektoren, das ganze seltsam eingebildete Volk.
Ein paar Versuche machte ich noch, dann ließ ich das bleiben. Ich schrieb weiter, verbesserte, schuf den vermutlich endgültigen Roman. So nahm ich meine alten Sachen, sortierte nach Qualität, nahm verbesserungswürdiges beiseite – und veranlasste ein großes Autodafé.
Leider brannte bei der Gelegenheit auch das Haus, in dem ich wohnte, mit ab. Sehr traurig war, dass es viele Opfer gab. Darunter besonders zu beklagen mein letzter, mein perfekter Roman.
Das erzählte ich der Polizei natürlich nicht, ich schämte mich zu sehr, ein solches Unglück so ungeschickt veranlasst zu haben. Gleichwohl, ich musste ins Gefängnis, als gefährlicher Brandstifter. Nun gut – dort schrieb ich weiter. Durch meine inzwischen doch erheblich angewachsene Lebenserfahrung wurden meine Aufschriebe womöglich noch lebensvoller, lebensnäher. Und weiter arbeitete ich an meinem Stil. Einem dortigen Sozialarbeiter habe ich es zu verdanken, dass es zum nächsten Eklat kam. Ich hatte nicht nur schon Freigang, warum auch nicht, dieser eigentlich ganz nette, wenn auch etwas weichlich – nichtssagende Typ brachte es fertig, mein neuestes Oeuvre einem ansässigen Verlag vorzustellen. Ich wurde eingeladen, es wurde diskutiert – und sie wollten tatsächlich etwas drucken! Nämlich irgendeine Revolverstory des gefährlichen, geläuterten Insassen, was für ein Unsinn! Sie nahmen Änderungen vor. Literarisch völlig uninteressant.
Es blieb mir nichts anderes übrig, als meinen nächsten Freigang zu nutzen. Es war im eigentlichsten Sinne Notwehr. Der Verlag ging in Flammen auf. Und ich bedaure es nicht einmal, dass der Verlagsinhaber, dieser Schundromanverleger, noch in seinem, diesem Hause war.
Meine Gefängniszeit wurde verlängert. Das hinderte mich nicht am Schreiben, aber ein neuer Versuch, mich zum öffentlichen Autor zu machen, unterblieb zu meinem guten Glück.
Befreit von eisernen Stäben suchte ich zum einen nach neuen, freieren Möglichkeiten des Ausdrucks, aber vor allem nach einem Ort, an dem dies alles günstig geschehen könnte. Ich floh die gewohnte Umgebung, zog mich in eine Art Waldeinsamkeit zurück, ferne in bergigen Landstrichen ein einsames Haus, eher eine Scheune, rustikal beheizt – wundervoll. Eine anregendere Umgebung für mein spezielles Tun fand ich nie. Mehrere Jahre harrte ich dort aus. Zuletzt freilich waren meine ohnehin knappen Mittel geschwunden, man vertrieb mich von dort mit den schnödesten kapitalistischen Argumenten. In meiner Verzweiflung floh ich unerkannt, ich war eh nicht unter meinem echten Namen dorthin gegangen, und unter Hinterlassung, nun, wie man so sagt, verbrannter Erde.
Ja, es tat weh, jedes Mal seine unter doch erheblichen geistigen Geburtswehen entsprungenen Werke so verschwinden, verglühen, verwehen zu sehen. Doch ich bin ein Autor! Und so schaffe ich neu, auch jetzt und hier habe ich wieder ein ansehnliches Werklein zustande gebracht. Und es geht mir so gut wie lange nicht. Und so entbiete ich auch Ihnen eine gute Nacht, Herr Nachbar. O ja, wenn sie das wünschen: ich kann ihnen gern ein bißchen was vorlesen. Das ist kein Problem, keine Frage, sagen sie mir nur, für wen genau: Sie, ihre Familie – Kinder!? Sie haben doch Familie, Kinder? Dort, in ihrer heimeligen Wohnung, hier in unserem gemeinsamen Haus?

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Autor: gerlintpetrazamonesh

Ich schreibe Texte und veröffentliche sie. Selbstverständlich, bitte beachten, unter Copyright, also keine gewerbliche Verwendung ohne Einverständnis, private Verwendung gestattet, aber mit Nennung des Autors! Da bin ich stur, es mag ja sein, es ergibt sich noch die eine oder andere Möglichkeit, einen meiner Texte ( um nur die Naheliegenden zu erwähnen: Literaturnobelpreis, Hollywood...) weiter zu verwenden! Selbstverständlich, nicht wahr. So selbstverständlich wie der Autorenname, wie sich der eine oder andere gleich gedacht hat, wie man heute sagt Fake ist, so ein P-Name - ganz ehrlich, so heiß ich nicht, nicht richtig, nicht wirklich. In dieser Realität, z.B. in Ausweispapieren. Aber hier, für meine Geschichten, da nennt mich Petra. Nur der Vollständigkeit halber, die Person auf dem Bild, und hier muß ich mit der Änderung des Bildes schnell auch den Text ändern, das bin nicht ich, sondern mein selbstgewähltes Wappentier, nebenbei schon seit Kindertagen. (Vormals lautete der Text zum da noch passenden ersten Bild, na ja, halt auch so ein Vierbeiner im Blog: die Dame vom See, das bin auch nicht ich und es ist nur ein Gerücht, dass sie mir einen Füllfederhalter namens Excalibur aus dem Gewässer apportierte. Aber das war ja auch ein Hund, ein richtiger Hund - auch mein Hund (hätte ich sie Morgana le Fay nennen sollen? Vielleicht den Nächsten) - an einem Alpensee, der, nein, die, die hätte das auch gekonnt, so ein toller Hund!) Bestimmt schreibe ich auch über sie mal was, aber: Dackel, um das klarzustellen, sind keine Hunde. Zumindest nicht im herkömmlichen, landläufigen Sinn. Dackel sind Wesen höherer Art, wobei boshafte Menschen oft auch einwenden: niedrigerer Art. Aber dazu in ungefähr, also keine Sorge, jedem 100. Textbeitrag mehr! Also gleich im ersten, ersteingestellten, der hier der automatischen Reihung nach der Allerletzte ist. Was jeder Dackel gleich versteht.

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