Gemeinsame Interessenlage

(Gesellschaftsroman, ach ne, kurze Kurzgeschichte. Aber Gesellschaft, ja, und das ist ja eigentlich immer, gähn, dieses Mann – Frau – Ding, oder?)

„Was ich so mache, in meiner Freizeit? Superhobby, das Beste überhaupt. Weißt du, ich nehm Seil, Taschenlampe, setz den Helm auf…!“ Er machte eine Kunstpause. Mäßig interessiert fragte ich: „Bergsteiger? Freiwillige Feuerwehr?“
„Nein, ein echter, wenn auch nicht professioneller Höhlenforscher“ sagte er grinsend, glücklich über seinen so überaus gelungenen Einstieg in die erwartete heutige Höhlenforschung, „unheimlich interessant das, verstehst du, diese dunklen, unerforschten Gänge, nassen Grotten…“ Und er zwinkerte mir dazu noch völlig unnötig zu. Ich gebe zu, vorhin, auf den ersten Blick war er mir gar nicht unattraktiv erschienen, war dann aber schon etwas zu forsch in meine Richtung aufgebrochen, hatte mich gleich gefragt, was ich zu trinken wollen würde. Gut, äußerlich machte er was her, groß, schlank, modische Beinah – Rasur, sportliche Erscheinung, soweit zu sehen recht manierlicher Aufzug, gute Schuhe, dunkle Jeans, dunkles Hemd, aber mit weit offenem Kragen und, jawoll, sichtbarem Kettchen! Ein großer Blonder mit schwarzem Schuh, schön, aber die Accessoires waren jetzt schon ein klares Signal: das wird so wohl nichts mit uns beiden.
So saßen wir an der Bar, typische unzureichende Beleuchtung, er betont männlich – breitbeinig, eine Bierflasche in der Hand, ich mit meinem jetzt überaus peinlichen Sex on the beach – hätte ich bloß was anderes bestellt, einen Daiquiri meinetwegen! Und seither belabert mich der Typ mit seinen Abenteuern, war sich auch nicht zu blöd, seinen BMW – Schlüssel auf die Bar zu legen. Wäre er anders drauf gewesen hätte ich ja noch seinen Humor testen können und eine Spritztour in seiner Isetta, also der einzig wahren Knutschkugel, vorgeschlagen. Aber bisher war es halt Anbaggern primitiv. Na, mal so gefragt und gesehen, in welcher vermaledeiten Höhle lernt man schon Lebensart?
Er hatte inzwischen weitergeschwafelt, weltweit war er schon in allen möglichen Höhlen gewesen, nicht nur so Salzkammergut und schwäbische Alb mit den Figürchen, dicken Venusvorgängerinnen, und nie an Andeutungen gespart, dass es sich ja um durchaus völlig verschiedene Arten von Höhlungen handeln könne. Nicht einmal die Eingänge ließ er aus, glatte Höhlen in Südamerika, bewachsene Grotten im afrikanischen Busch und kleine, nackte Schlitze in Thailand und Vietnam! Und das alles nur als Hobby, er sei ja wie erwähnt kein professioneller Solcher, schon gar kein Gynäkologe, hähähä!
Wenn er jetzt noch erklärt, wie man sich merken kann, dass die Stalaktiten die sind, die hängen, gehe ich aber. Da, schon fängt er an! Er ist sich wirklich für nichts zu blöde. Na schön, eine Frage von mir noch: „mit was sind denn deine Höhlen innen so bewachsen? Moose, Flechten, Pilze, Treponema pallidum oder andere Spirochäten, Retroviren, Lentiviren, Neisseria gonorrhoeae?“
„Was? Redest du Latein mit mir? Diese komischen Dinger kenn ich nicht, aber Moment, Gonorrhoe, das ist doch Tripper, verarscht du mich grad? Was willst du denn damit sagen? Und woher kennst du die alle, was bist du denn für eine?“
„Durchaus an feuchten Hohlwegen interessiert. Urologin. Für dich Venerologin. Und wenn du mit deinen Höhlen durch bist, liegst du bestimmt mal auf meiner Station. Keine Angst, einen wie dich fass ich nur mit Gummihandschuhen an! Doch für deine Hohlräume würde ich dir die Gerontopsychiatrie empfehlen.“ Da wurde der Typ ausfällig, nicht ohne meine inneren Qualitäten negativ einzuschätzen, ich sei eine vertrocknete alte – ach, lassen wir das, ob V ob F oder welche Anfangsbuchstaben noch. Ich war schon aufgestanden, schenkte dem Barkeeper ein Lächeln mitsamt der Bezahlung für meinen Cocktail und wandte mich nun endgültig ab, zischte nur noch schnell: „Bist wohl in der mammoth cave von Microchiroptera gebissen worden? Fledermaus – Lyssavirus mitbekommen? Kommen die Krampfanfälle schon öfter? An Rabies krepieren soll echt übel sein!“ Und damit versuchte ich mich im Davonrauschen. Sonst nicht so meine Spezialität.
Na ja, was soll ich sagen, ich bin halt mal wieder alleine nach Hause gegangen. Ist wohl besser so. Der Tag fängt früh an, und die Virostatika schlagen bei dem HIV – Patienten von Zimmer 6 nicht an. Sonst stehen, glaub ich, nur Prostata – Untersuchungen auf dem Plan. Lauter Ärsche…

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Autor: gerlintpetrazamonesh

Ich schreibe Texte und veröffentliche sie. Selbstverständlich, bitte beachten, unter Copyright, also keine gewerbliche Verwendung ohne Einverständnis, private Verwendung gestattet, aber mit Nennung des Autors! Da bin ich stur, es mag ja sein, es ergibt sich noch die eine oder andere Möglichkeit, einen meiner Texte ( um nur die Naheliegenden zu erwähnen: Literaturnobelpreis, Hollywood...) weiter zu verwenden! Selbstverständlich, nicht wahr. So selbstverständlich wie der Autorenname, wie sich der eine oder andere gleich gedacht hat, wie man heute sagt Fake ist, so ein P-Name - ganz ehrlich, so heiß ich nicht, nicht richtig, nicht wirklich. In dieser Realität, z.B. in Ausweispapieren. Aber hier, für meine Geschichten, da nennt mich Petra. Nur der Vollständigkeit halber, die Person auf dem Bild, und hier muß ich mit der Änderung des Bildes schnell auch den Text ändern, das bin nicht ich, sondern mein selbstgewähltes Wappentier, nebenbei schon seit Kindertagen. (Vormals lautete der Text zum da noch passenden ersten Bild, na ja, halt auch so ein Vierbeiner im Blog: die Dame vom See, das bin auch nicht ich und es ist nur ein Gerücht, dass sie mir einen Füllfederhalter namens Excalibur aus dem Gewässer apportierte. Aber das war ja auch ein Hund, ein richtiger Hund - auch mein Hund (hätte ich sie Morgana le Fay nennen sollen? Vielleicht den Nächsten) - an einem Alpensee, der, nein, die, die hätte das auch gekonnt, so ein toller Hund!) Bestimmt schreibe ich auch über sie mal was, aber: Dackel, um das klarzustellen, sind keine Hunde. Zumindest nicht im herkömmlichen, landläufigen Sinn. Dackel sind Wesen höherer Art, wobei boshafte Menschen oft auch einwenden: niedrigerer Art. Aber dazu in ungefähr, also keine Sorge, jedem 100. Textbeitrag mehr! Also gleich im ersten, ersteingestellten, der hier der automatischen Reihung nach der Allerletzte ist. Was jeder Dackel gleich versteht.

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