„Komm mit“

(Ne Fabel. Punkt. oder aber – na, ihr kennt doch Farm der Tiere? Und: die Sendung mit der Maus? Na, dann muß ich ja nix mehr erklärn!)

Petty und Ferkelchen waren nicht nur zwei höchst unanständige kleine Schweinchen, aber darum geht es in dieser Geschichte nicht, hör also zu lesen auf, wenn Du vielfache, vielleicht fünfzigfache sodomitische Pseudoaufklärung grauer Schattenficker oder sonstige aufhellende Rasuren feuchter Gebiete erwartest, sie waren auch höchst reinlich, suhlten sich oft und gerne, und bildungsbeflissen. Besonders gern schauten sie Bildungsfernsehen, dass es ja tatsächlich gibt, zumindest am Sonntag um die Mittagszeit, wenn eine Maus und ein Elefant die Welt zu erklären trachten. Kleiner Kommentar des Erzählers: mit einiger Wahrscheinlichkeit die einzige serielle Ausstrahlung im Wochenlauf, die das Anschauen lohnt. Und glücklicherweise stand ihr Schweinekoben so geschickt, dass sie in des Bauern Wohnzimmer sehen konnten. Es war ein recht uriger Hof, jeglicher Form industrialisierter Ökonomie und besonders der Massentierhaltung abhold. Ja, die Schweinchen hatten alle ihre Schwänzchen, keines war kupiert und noch weniger kannibalisiert, denn sie fühlten sich wohl!
Nun war Petty aber verstört, und endlich konnte sie Ferkelchen auch sagen, woran das lag. In getragen ernstem Tone hatten ein Landesjägermeister und ein Landwirtschaftsminister von einem unmissverständlich höchst gefährlichen Gesellen gesprochen, der, und das war missverständlich, entweder zugewandert war oder zurückgekehrt, jedenfalls aber da. Unsägliche Gefahren gingen von diesem Unwesen aus, sowohl für die armen Wildtiere als auch das Vieh und womöglich den Menschen.
Es war – um nur gleich das Schreckenswort zu nennen – der Wolf. Ein Wolf war gesichtet worden und die Menschen entwickelten, zumindest laut Fernsehkommentaren und – tatoren, ungeheure Hektik, alleine schon um sie nicht Hysterie nennen zu müssen. Während die einen nicht müde wurden, vor der Bestie zu warnen, stellten andere ihn als Kuscheltier hin, am besten sollte man ihn abends mit nach Hause nehmen, damit er des Nachts nicht fröre, und ihm ein leckeres veganes Mahl kredenzen. Letztere Ansicht konnte Petty, die eine vegane Lebensweise für sich als überzeugtes Schwein und entschlossenem Monogastrier ablehnte, gleich als unsinnig zuordnen. Aber seit diesen Nachrichten träumte sie schlecht, das graue Monster schlich sich in ihre zunehmend unruhigen Träume, gebärdete sich als Nachtmahr, Alb und Sukkubus.
„Was ist denn nun mit dem Wolf“ fragte sie Ferkelchen, „müssen wir uns denn fürchten?“ Ferkelchen überlegte kurz, dann sagte er: „wir machen das wie diese unsere Schweinebrüder im Fernsehen. Komm mit!“
Und die beiden öffneten ihren Koben – hatte ich schon erwähnt, dass sie lerneifrig, wissbegierig und gar nicht saudumm waren? – und spazierten hinaus in die weite und so gar nicht geheure Welt.
Auf dem Weg in die nahe Stadt mussten sie eine große glatte Fläche überqueren, die ihren Weg kreuzte und links und rechts ins Unendliche zu führen schien. Petty dachte für sich, dass das wohl eine der Parallelen sei, die sich dort, in nicht zu messender Entfernung entweder trafen oder auch nicht, wer könnte das schon so genau wissen, und wollte so in Gedanken schon die erst jüngst neu asphaltierte Bundesstraße, denn um eine solche handelte es sich, überqueren, da biss Ferkelchen sie kräftig in das zarte, anders als der Teerweg an ein Möbiusband erinnernde Ringelschwänzchen. „Au, was soll denn das?“ So schrie sie auf und wandte sich. In diesem Augenblick raste ein Ungetüm mit röhrendem Lärm auf sie zu und knapp an ihnen vorbei.
„War… war das der Wolf?“ So fragte ein ganz erschrockenes und zitterndes Schweinchen. „Nein, Dummerchen, das war, wenn ich das richtig gesehen habe, ein aufgemotzter, tiefergelegter IVer Golf GTI. Der uns beinah überfahren hätte. Du musst an der Straße aufpassen, Petty, erst links, dann rechts, dann gradeaus!“
Petty zitterte immer noch vor Furcht vor dem Rolf oder wie immer das hieß, als sie durch die Vorstadtstraßen wanderten, und lief brav hinter Ferkelchen her. Offenbar gab es auf der Welt noch andere Gefahren als Wölfe. Eben fuhr ein großes Fahrzeug an ihnen vorbei, ungleich langsamer, aber viel, viel größer als der sogenannte Golf von eben. Auf seiner Ladefläche war ein Aufbau mit zahlreichen Belüftungsöffnungen. Aus diesen heraus grunzte und quiekte es.
„O, schau mal, ein Ausflug! Da hätten wir mitfahren können,“ meinte Petty. Ferkelchen blieb stehen, wandte sich um und sah ihr lang in die Augen. „Petty,“ sagte Ferkelchen endlich, „du bist ein dummes kleines Schwein.“ Dann gingen sie weiter. Petty, etwas beleidigt, sah zu Boden. Als sie wieder aufsah erblickte sie ein großes Fenster und darüber, über einigen Schriftzeichen, einen gemalten Schweinekopf. „Schau mal, Ferkelchen, ein Haus extra für Schweine! Die Stadtschweine müssen es gut haben!“ Beinah wäre sie dorthin und zur Türe hinein getrabt, hätte sie Ferkelchen nicht schon wieder gewaltsam gehalten. „Petty, ich glaube, du hast nicht immer begriffen, was wir dort beim Bauern im Fernseher gesehen haben. Hör mir gut zu: das ist kein Haus für lebende Schweine. Und die Schweine, die auf dem großen Auto drauf waren, die kommen dorthin. Aber, wie gesagt, nicht lebendig!“ Jetzt zitterte Petty am ganzen Leib: „du, du willst mir sagen… das, das ist ein Friedhof für Schweine? Aber so krank waren die doch gar nicht, wer macht denn… etwa der Wolf?“
Ferkelchen atmete tief durch. Endlich sprach er: „nein, Pettyschwein. Das macht nicht der Wolf. Das machen die Menschen. Und es ist kein Friedhof, es ist eine Metzgerei. Sie zerlegen die Schweine und essen sie auf!“ „Aber, aber dann sind die Menschen ja Wölfe“ schrie eine entrüstete Petty. „Ja, der Mensch ist dem Schweine ein Wolf, das ist wohl wahr,“ sagte Ferkelchen noch bevor er schrie: „los jetzt, weg hier, mir nach!“ Denn er hatte gesehen, dass, von ihrem Gequieke neugierig geworden, der brave Metzgermeister, das große Hackebeil in der fleischigen Hand und mit blutiger Schürze angetan, zur Türe herausgetreten war.
Einige Straßen weiter verschnauften sie. „Puh, Ferkelchen,“ meinte Petty, „ich glaube, ich hab genug von Wölfen und so! Ich will heim!“ „Nichts da! Ich will dir doch was zeigen,“ rief Ferkelchen und zockelte wieder los. Nun, sie erreichten den zoologischen Garten, durchstreiften ihn, bewunderten die nie gesehenen Geschöpfe dort, ließen sich von Besuchern des Tierparks bewundern, die an eine besondere Attraktion, zahme Schweinchen, die herumspazieren durften, bevor sie vermutlich im Löwenkäfig landen würden, dachten. Endlich erreichten sie ein Schild auf dem ein grauer Hund abgebildet war. Canis lupus war darauf geschrieben. Nach langem Suchen entdeckte Petty einen in etwa beigefarbenen mageren Hund, der in einer Höhlung unter einem wie umgestürzt künstlich dahin drapierten Baum samt Wurzelstock lag. Er sah in ihre Richtung. Aber er sah nicht die Beutetiere, sah sie nicht mit Neugier, er sah durch sie hindurch, sein Blick ging ins Weite, dorthin, dachte Petty, wo sich die Parallelen, na, was auch immer. Nicht mehr in die endlose Steppe oder in riesige Wälder, in denen sein Rudel nächtliche Heulgesänge aufführen mochte, sondern in die unendliche Leere.
„Der arme Hund,“ flüsterte sie, „er möchte nicht hier alleine eingesperrt sein.“ „Das da,“ sagte Ferkelchen betont ruhig und zeigte mit dem feinfühlig zitternden Rüssel auf die kauernde Gestalt, „das ist der Wolf.“

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Autor: gerlintpetrazamonesh

Ich schreibe Texte und veröffentliche sie. Selbstverständlich, bitte beachten, unter Copyright, also keine gewerbliche Verwendung ohne Einverständnis, private Verwendung gestattet, aber mit Nennung des Autors! Da bin ich stur, es mag ja sein, es ergibt sich noch die eine oder andere Möglichkeit, einen meiner Texte ( um nur die Naheliegenden zu erwähnen: Literaturnobelpreis, Hollywood...) weiter zu verwenden! Selbstverständlich, nicht wahr. So selbstverständlich wie der Autorenname, wie sich der eine oder andere gleich gedacht hat, wie man heute sagt Fake ist, so ein P-Name - ganz ehrlich, so heiß ich nicht, nicht richtig, nicht wirklich. In dieser Realität, z.B. in Ausweispapieren. Aber hier, für meine Geschichten, da nennt mich Petra. Nur der Vollständigkeit halber, die Person auf dem Bild, und hier muß ich mit der Änderung des Bildes schnell auch den Text ändern, das bin nicht ich, sondern mein selbstgewähltes Wappentier, nebenbei schon seit Kindertagen. (Vormals lautete der Text zum da noch passenden ersten Bild, na ja, halt auch so ein Vierbeiner im Blog: die Dame vom See, das bin auch nicht ich und es ist nur ein Gerücht, dass sie mir einen Füllfederhalter namens Excalibur aus dem Gewässer apportierte. Aber das war ja auch ein Hund, ein richtiger Hund - auch mein Hund (hätte ich sie Morgana le Fay nennen sollen? Vielleicht den Nächsten) - an einem Alpensee, der, nein, die, die hätte das auch gekonnt, so ein toller Hund!) Bestimmt schreibe ich auch über sie mal was, aber: Dackel, um das klarzustellen, sind keine Hunde. Zumindest nicht im herkömmlichen, landläufigen Sinn. Dackel sind Wesen höherer Art, wobei boshafte Menschen oft auch einwenden: niedrigerer Art. Aber dazu in ungefähr, also keine Sorge, jedem 100. Textbeitrag mehr! Also gleich im ersten, ersteingestellten, der hier der automatischen Reihung nach der Allerletzte ist. Was jeder Dackel gleich versteht.

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