lupus est homo homini, non homo, quom qualis sit non novit, geschweige denn den Viechern jeder Species!

(o.k., o.k., etwas naturwissenschaftliches Interesse (unten noch die nötigsten Übersetzungen) setze ich schon voraus. Und landwirtschaftliches Interesse. Und das ist einfach nur eine Fabel, sonst würden Tiere ja nicht sprechen. Und darauf lege ich Wert: nach modernen Maßstäben sehr kindgerecht, kein Sex und keiner stirbt!)

Castor fiber nagte an einem Malus domestica, und es war ihm herzlich egal welche Sorte, da er ja den Stamm benagte und nicht die Frucht, ob Adams Parmäne oder Zuccalmaglio oder irgend etwas dazwischen, wenn’s auch gewiß kein altüberkommener Glockenapfel war, mit solchem Genuss, dass er sprichwörtlich hören und sehen vergaß und nur noch krachend splitternder Geschmack wurde. Er hatte es nicht weit bis zu seiner Nahrungsplantage, da der Bauer, so wie er seinen Mais vom Waldrand durch die untaugliche sumpfige Senke hindurch gradenwegs bis an den Straßenrand gesät hatte, eine Jagdschneise war ihm widersinnig erschienen, da er dann ein paar Zentner Mais (Zea mays) weniger zu ernten hätte beziehungsweise bei den zweifellos eintretenden Schäden durch wilde Waldsauen (Sus scrofa) er ja Ersatz zu fordern hätte, so auch seine verkrüppelten Obstbäumchen, also kein Brettacher, kein Gravensteiner, keine Renette, sondern eine der modernen Hochertragssorten, bis unmittelbar an den Rand des ehemaligen Baches, heute Entwässerungsgrabens oder, geeignet als Unwortvorschlag, Vorfluters, gesetzt hatte. Freilich klagte er sehr über fast jährliche Überschwemmungen, denen man mit gründlichem Ausbaggern – vormals waren Misgurnus fossilis, also Wetterfische, Schlammpeitzger, Schlammbeißer in dem Graben wohnhaft gewesen – und noch steileren Ufern beizukommen versuchte, auch wäre eigentlich ein freilich unbefestigter Weg am Uferrand entlang gelaufen, doch er war der Meinung, sein Grund und Boden hätte grundsätzlich maximalen Ertrag pro Hektar und qm abzuliefern oder wenigstens dessen Äquivalent an Schadensersatz oder, als kleinster Trost, allgemeiner Klage über die schlechte Welt. Schließlich, und das war nun einmal wahr, musste er von diesem Ertrag auch leben, wie schlecht oder recht es auch ging, und das bei den Rohstoffpreisen und andersrum den absurd hohen Preisen für markengeschütztes Saatgut, Kunstdünger, Glyphosat, den neuesten high – tec Fendt oder John Deere oder Claas und so weiter!
Meister Bockert, ach ja, ich vergaß: für die Laien unter uns immer noch: Castor fiber, der freilich freute sich über die extra vor sein mit so extra kräftigen Nagezähnen bewehrtes Maul gepflanzten Apfelbäumchen, gerade das rechte Festessen für ihn. Und er war, wie beschrieben, völlig in dieses Festmahl versunken, nagte und fraß konzentriert. Schließlich war er erst von kurzem in diese paradiesische Gegend eingewandert. Er galt hier als Fremdling und wie so viele Fremde, die Neues, neue Sitten und Gebräuche brachten, den Alteingesessenen als Schädling, ein ganz und gar negatives Beispiel für ungemeinen, unangemessenen Fleiß, der in diesem Falle als nackte Gier interpretiert wurde. Freilich, es gab Geschichten unter Bibern, die Vorväter wären einst hier in dieser Gegend heimisch gewesen, aber übel hatte man ihnen mitgespielt!
Man hatte sie ausgerottet. Nicht nur sie, manch andere Existenz ebenso vernichtet. Nicht etwa, weil man sie geringschätzte wie heutigentags, nein, eher weil man sie zu hoch einschätzte als Lieferant für beste, edle Rauchwaren, als Fastenspeise und nicht zuletzt wegen ihrer Drüsen.
Der graugestromte, schattenhafte Riesenhund (Canis lupus), der sich langsam näherte, verstand die Freude des Bibers am Fressen, die er andererseits für seine Zwecke durchaus sehr begrüßte, nicht recht. Der fette Nager erschien ihm sehr viel schmackhafter als die innere Rinde eines beliebigen Baumes. Pflanzennahrung war ihm zwar keineswegs völlig fremd, er bevorzugte aber andere Kost, die mit seinem kurzen Verdauungstrakt viel leichter zu bewältigende Nahrung aus vorwiegend tierischem Protein. Es kam schon vor, dass er gelegentlich ein paar Beeren fraß oder, besonders wenn er etwas zu viel und gierig verschlungen hatte, was durchaus vorkam, allerlei Gräser und Kräuter.
Jetzt erschien es ihm wieder einmal möglich, ausreichend, ja, zu viel zu fressen. Zumindest wenn sich der geschätzte Moppel mit den starken Nagezähnen nicht ablenken ließ würde er es wieder tun. Und sich vollfressen, was ja keineswegs immer vorkam, da es schlicht an Gelegenheit, an einfacher und dummer, unaufmerksamer Beute fehlte.
Das war ihm schon immer als der eigentliche Sinn des Lebens erschienen, das sich den Wanst bis kurz vor dem Platzen vollschlagen, die maximale Sättigung fühlen.
Endlich war er dem in dieser Hinsicht doch etwas tumben Dammbaumeister nahe genug für den letzten Sprung. Er verharrte, duckte sich, sammelte sich, dann schnellte er vorwärts. Es war diese raubtierhafte Konzentration der Sinne und Kräfte, die es ihm in Verbindung mit dem Überraschungsmoment ermöglichte, nicht nur etwas zwischen Mäusen und Bibern zu erbeuten, sondern selbst Tiere, die weitaus größer und stärker waren als er selbst.
Der Biber war völlig überrascht und von seinem unhöflich gewaltsamen Besucher überwältigt, andernfalls hätte er sich, wenn keine Gelegenheit mehr zur Flucht ins nahe Wasser gewesen wäre, sicherlich heftig zur Wehr gesetzt. Immerhin waren die Kraft und die mächtigen Zähne des zweitgrößten Nagetiers der Welt nicht zu unterschätzen!
So aber, wehrlos, verlegte er sich aufs Verhandeln, Bitten und Betteln. „Mächtiger Isegrim,“ so begann er schmeichelnd, „tu es nicht! Du begehst einen grässlichen Fehler! Sind wir nicht, so verschieden auch von Art, so doch vom gleichen Schicksal gebeutelt, von den gleichen Feinden umstellt, die wiederum, schon wieder und genau genommen immer noch zur Jagd auf uns blasen wollen? Sollten wir nicht zusammenstehen, uns zusammenschließen, um unser hartes Schicksal gemeinsam zu meistern?“ Dem Wolf, der solche diplomatische Reden nicht gewohnt war, blieb vor Erstaunen der machtvoll zahnstarrende Rachen offen stehen, den er gerade und für den Biber mit letaler Folge schließen wollte. Unter Seinesgleichen erledigte man Dispute rasch und ohne viel Drumherum, keineswegs oft gewaltsam, wie gern unterstellt: eine gewisse Körperhaltung, ein kurzes Knurren in bestimmter Tonlage und die meisten strittigen Punkte stellten sich als unwesentlich und nicht weiter diskussionswürdig heraus. Anders wie bei manchen anderen Tiergruppen, etwa Primaten, die um alles keifen, kreischen und feilschen können, was meistens eher nicht zur Deeskalation noch zu echten Lösungen, sondern zu weiterer Aggression und endlich oft sogar zu ziellos um sich schlagender, schießender, sprengender Gewalt führt. Derartigen Lärm um Nichts wird ein echter, gebürtiger Karnivore nie verstehen.
Der zu Boden gedrückte Fischschwänzige nutzte seine Chance und sprach schnell weiter: „O du Großmäuliger, sei auch großmütig. Nochmals sage ich dir, wir beide, neu hier in diesem Lande, werden von der angestammten Bevölkerung, das heißt zweibeinigen nackten Affen, ursprünglich aus Afrika, angefeindet, sie wollen uns an den Pelz, sie gönnen uns das Fressen nicht und nicht den Lebensraum, nicht die Obstbäume und nicht die Schafe, sie fürchten uns wie auch Bruder Fischotter und Vetter Kormoran und andere mehr, anders als seltsamerweise die tatsächlich Fremden, wie den Mink und den Waschbär, die sie niedlich finden, wo doch unser angestammtes Recht, in diesen Breiten zu leben, weitaus älter als das der Zweibeiner ist – na, vielleicht auch eben deshalb, so sind die eben! Also laß uns zusammenstehen und zusammen für die Freiheit und die Rechte der frei lebenden Tiere kämpfen!“
Da vermochte der graue Wildhund nur zu erwidern, dass es doch nur der Biber sei, der trotz Schutzstatus von Fängern bedroht sei, worauf der Biber höhnisch auflachte: „von den Wilderern mit und ohne waffenrechtliche Erlaubnis abgesehen – du hast wohl nicht die wichtigen Themen der Regierungsbildung verfolgt? Was die Regierungsparteien wirklich umtreibt und wo sie leichthin Gemeinsamkeiten finden wie beim Kohlendioxidausstoßbegrenzung in den Wind schießen? Ihnen moralische Anforderung wie moralische Verkommenheit egal ist, denn das Thema ist momentaner Machterhalt? Wie sie den böswilligen braunschlonzigen Schurkenvertretern entgegentreten wollen, indem sie deren beliebte und wieder salonfähige Forderungen übererfüllen? Wie sie fremde und notleidende, ob Mensch, ob Tier, aus ihrem Lande heraushalten wollen, vertreiben wollen oder eben kurz mal um die Ecke bringen wollen? Du hast wohl den Schuss nicht gehört! Die haben beschlossen, dass, als wichtigste Maßnahmen, Frauen und Kinder gefälligst in irgendwelchen Kriegsgebieten verharren sollen, bis diese Kriege vorbei sind oder halt auch nicht, wen juckts, und, für dich am interessantesten: sie wollen den Wolfbestand in Deutschland verringern. Und dazu auch Abschüsse legalisieren, ganz gegen deinen EU – Schutzstatus – genau wie bei mir!“
Das hatte der Wolf noch nicht gewusst. Ihm schwirrte der Kopf – konnte das wirklich wahr sein? Leute, Menschen, rote wie schwarze Kappen und Käppchen, die ernsthaft was gegen graue, wilde Großhunde hatten? Vor lauter Verblüffung ließ er den Biber los, der natürlich seine Chance ergriff und hast du nicht gesehen im Bach verschwand. Er tauchte aber noch mal auf und schrie: „he, Alter, das stimmt! Das habe ich nicht extra erfunden, das ist wirklich so, du bist als nächster dran!“
Gedankenverloren und hungrig trabte der Wolf gesenkten Hauptes davon, dachte „homo homini lupus, aber was geht’s mich an, ich muss mir mehr Sorgen um mich machen“ und verschwand lautlos in der Dämmerung in den Schatten zwischen den Bäumen.
Der Biber tauchte ab und dachte: „wow! Das war ja knapp und – oberaffenbibergeil!“

(Meinetwegen. Castor fiber: Biber. Canis lupus: Wolf. Malus domestica, ja, der heißt wirklich so, das ist wahrscheinlich der Grund für die Annahme, dass die olle Eva einen genommen haben soll: ja, eben: Apfel. Und nein, ich kann kein Latein, aber die wissenschaftliche Bezeichnung für alles und jedes ist nun mal auf lateinerisch, net wahr, und das kann man auch außer bei Asterix im Internet nachschlagen! Die Bedeutung von malus z.B. (u.a. schlecht, böse, niederträchtig), oder Zea mays, Sus scrofa. Und Parmäne, Zuccalmaglio, Glockenapfel, Brettacher – der kommt doch gar nicht vor? – das sind einfach Sortenbezeichnungen für Äpfel. Isegrim, Meister Bockert: ja, wann habt ihr denn die letzten Märchen gelesen? Das sind eben die zwei Hauptdarsteller!)

Advertisements

Autor: gerlintpetrazamonesh

Ich schreibe Texte und veröffentliche sie. Selbstverständlich, bitte beachten, unter Copyright, also keine gewerbliche Verwendung ohne Einverständnis, private Verwendung gestattet, aber mit Nennung des Autors! Da bin ich stur, es mag ja sein, es ergibt sich noch die eine oder andere Möglichkeit, einen meiner Texte ( um nur die Naheliegenden zu erwähnen: Literaturnobelpreis, Hollywood...) weiter zu verwenden! Selbstverständlich, nicht wahr. So selbstverständlich wie der Autorenname, wie sich der eine oder andere gleich gedacht hat, wie man heute sagt Fake ist, so ein P-Name - ganz ehrlich, so heiß ich nicht, nicht richtig, nicht wirklich. In dieser Realität, z.B. in Ausweispapieren. Aber hier, für meine Geschichten, da nennt mich Petra. Nur der Vollständigkeit halber, die Person auf dem Bild, und hier muß ich mit der Änderung des Bildes schnell auch den Text ändern, das bin nicht ich, sondern mein selbstgewähltes Wappentier, nebenbei schon seit Kindertagen. (Vormals lautete der Text zum da noch passenden ersten Bild, na ja, halt auch so ein Vierbeiner im Blog: die Dame vom See, das bin auch nicht ich und es ist nur ein Gerücht, dass sie mir einen Füllfederhalter namens Excalibur aus dem Gewässer apportierte. Aber das war ja auch ein Hund, ein richtiger Hund - auch mein Hund (hätte ich sie Morgana le Fay nennen sollen? Vielleicht den Nächsten) - an einem Alpensee, der, nein, die, die hätte das auch gekonnt, so ein toller Hund!) Bestimmt schreibe ich auch über sie mal was, aber: Dackel, um das klarzustellen, sind keine Hunde. Zumindest nicht im herkömmlichen, landläufigen Sinn. Dackel sind Wesen höherer Art, wobei boshafte Menschen oft auch einwenden: niedrigerer Art. Aber dazu in ungefähr, also keine Sorge, jedem 100. Textbeitrag mehr! Also gleich im ersten, ersteingestellten, der hier der automatischen Reihung nach der Allerletzte ist. Was jeder Dackel gleich versteht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s