Trudeln

(3 Szenen, 2 Schauplätze, 3 Akteure, teure Requisiten. Sogenannte staatstragende, gesellschaftlich wertvolle Personen in üblicher Aktivität. Außerdem fallen hier tragischerweise dauernd so Dinger vom Himmel – ja, ne, ganz in echt, das Dreiländereck, der Bodensee und seine Umgebung scheinen mir das Bermudadreieck locker zu erreichen!)

Irgendwo in der Schweiz, sagen wir in z.B. Rorschach, kann aber genauso gut in Saint – Gingolph stattfinden, so riesig ist die Schweiz ja auch wieder nicht, luxuriöse Wohnsituation, teure neue Klamotten an den nicht mehr ganz jungen, aber wohl designten, distinguiert wirkenden Darstellern zwischen sauteuren alten Möbeln:

„Du hast immer gesagt, dass das niemand mehr nachweisen kann. Nicht nachdem der Ehrenwortbewahrer im Grabe liegt. Du hast gesagt, dass es noch Ehrenmänner gibt, die wissen, was Omerta bedeutet.“
„Ja, Liebes, und ich bin auch sicher, dass es keinen mehr gibt, der uns, der unsere Firma wirklich mit diesen alten Geschichten in Verbindung bringen kann.“
„Aber warum jetzt diese Nervosität? Warum bloß? Seit Tagen, nein, seit Wochen schon bist du unruhig, unzufrieden, liest diese komische Zeitschrift – ich weiß genau, diese eine Journalistin, dieses Interview, das du ihr gegeben hast, du willst wissen, was sie jetzt schreibt!“
„Ach was! Das ist doch längst vorbei. Wenn die etwas hätte schreiben wollen, sie hätte es längst gekonnt. Das Interview war völlig harmlos und ist schon ewig her.“
„Mach dich nicht lächerlich. Du würdest nicht seit Tagen in dieser Sorte von Heften lesen. Es geht genau darum und wer weiß, wie harmlos dein Interview war – und, wenn ich’s mir recht überlege, ob das alles wirklich längst vorbei ist. Du bist nervös, da ist also was und es hängt mit dieser Zeitungsfrau zusammen. Hast du ihr etwas Dummes erzählt? Vielleicht ja nicht direkt beim Interview? Vielleicht irgendwann danach? Bei einer anderen Gelegenheit? Weißt du, Frauen sind schlau, zumindest wissen sie, wie sie Männer zum Reden bringen! Reporter sind neugierig, Frauen sind neugierig, zusammen sind sie ein ein – Frau – Geheimdienst. Und im Krieg, in der Liebe und für die Reportage sind alle Mittel erlaubt – was dir ja meistens gar nicht so Unrecht war, wenn ich nicht in der Nähe gewesen bin!“

Irgendwo über der Schweiz, sagen wir, ohne Gewähr, 47,51607° N, 9,43494° E, ca. 900m über N.N. (zunächst):

„Echt jetzt? Du hast mir einen Flug versprochen, der mir die Augen öffnen wird. Vom Firmensitz in Friedrichshafen war die Rede, ja, aber du hast mir auch was von Hauptstädten, von Berlin und Bonn erzählt – und von einem Firmenjet, der uns in Zürich abholt. Und jetzt sitzen wir in dieser mickrigen Cessna…“
„Das ist eine Beech Bonanza!“
„Egal, diesem einmotorigen Ding, welches du selber steuerst, trotz deinem Bluthochdruck und allem! Damit fliegen wir ja wohl nicht nach Berlin!“
„Nein, nach Berlin geht’s heute noch nicht. Wie gesagt, der Firmensitz liegt am Bodensee.“
„Ich hab auch noch andere Termine! Du kannst mich doch nicht einfach so mit Beschlag belegen, nicht mit diesen vagen Andeutungen!“
„Freust du dich gar nicht, mich zu sehen?“
„Langsam, langsam – ich freu mich schon, aber ich bin vorsichtig. Wer hat denn Schluss gemacht? Ich etwa?“
„Schluss gemacht, Schluss machen – das sagt mir was. Das erinnert mich an so einiges. Das, was du geschrieben hast und warum ich damals Schluss gemacht habe – und vor allem daran, was ich heute noch vorhabe!“
„Du redest seltsames Zeug – da könnte man ja Angst bekommen! Wenn ich dich nicht besser kennen würde, Lebemann und Frauenverführer, geld- und machtgeil wie du nun mal bist – he, pass auf, wir üben hier nicht für die Kunstflugmeisterschaften! He, laß das, das da unten ist der Bodensee, ich will keine nassen Füße bekommen, hörst Du? Du bist doch viel zu jung für so ‘n Nazijagdflieger wie dein Vater war, jetzt bring das Ding wieder gradeaus, nach Friedrichshafen wollten wir doch! Mach jetzt kein‘ Scheiß…!“

Vielleicht wieder in Rohrschach oder so, immer noch Schweiz. Am Telefon:

„Was sagen sie – abgestürzt? Vermutlich keine Überlebenden? Ja, was denn, mein Mann war aber doch alleine? – Nein? – Ja, schon, er wollte fliegen, eine Runde, um in Übung zu bleiben, seinen Schein behalten zu können. Ja, auch das stimmt. Er ist herzkrank. Sie meinen…? Ja, bis später.“

Später, allein.

„O mein Gott. Wer hätte das gedacht. Aber wer war denn bei ihm im Flugzeug? So wie ich ihn kenne bestimmt kein Mann. Womöglich diese Zeitungsschlampe! Dann – ja, dann könnte es am Ende gar kein Unfall -? O mein Gott. Wo habe ich die Nummer von diesem dummen Anwalt? Der soll das regeln, der soll auch diesem Parteibonzen Bescheid sagen. Das ist nicht mein Job, ich bin jetzt die trauernde Witwe, verdammt noch mal! O ja, jetzt wird sich so eine Reportagenschlampe auch auch mal wieder für mich interessieren, so wie damals, als ich mir diesen Geldsack geangelt hab. Damals rutschten meine vier Buchstaben die Spalten rauf und runter durch die Klatschpresse. O.k., ich schenk mir jetzt mal einen Martini ein. Und dann brauch ich diesen Anwalt.“

(überhaupt nicht nötig für die Geschichte, nur für den Fall, dass sich das jemand fragt: die Bonanza hab ich eingebaut, weil sie als eines der ganz wenigen Flugzeuge ein ungewöhnlich aussehendes Schmetterlingsleitwerk aufweist, das sie selbst für blutige Laien recht seltsam und anders als die ganz normalen (die übliche Cessnas und Pipers…) aussehen läßt)

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Autor: gerlintpetrazamonesh

Ich schreibe Texte und veröffentliche sie. Selbstverständlich, bitte beachten, unter Copyright, also keine gewerbliche Verwendung ohne Einverständnis, private Verwendung gestattet, aber mit Nennung des Autors! Da bin ich stur, es mag ja sein, es ergibt sich noch die eine oder andere Möglichkeit, einen meiner Texte ( um nur die Naheliegenden zu erwähnen: Literaturnobelpreis, Hollywood...) weiter zu verwenden! Selbstverständlich, nicht wahr. So selbstverständlich wie der Autorenname, wie sich der eine oder andere gleich gedacht hat, wie man heute sagt Fake ist, so ein P-Name - ganz ehrlich, so heiß ich nicht, nicht richtig, nicht wirklich. In dieser Realität, z.B. in Ausweispapieren. Aber hier, für meine Geschichten, da nennt mich Petra. Nur der Vollständigkeit halber, die Person auf dem Bild, und hier muß ich mit der Änderung des Bildes schnell auch den Text ändern, das bin nicht ich, sondern mein selbstgewähltes Wappentier, nebenbei schon seit Kindertagen. (Vormals lautete der Text zum da noch passenden ersten Bild, na ja, halt auch so ein Vierbeiner im Blog: die Dame vom See, das bin auch nicht ich und es ist nur ein Gerücht, dass sie mir einen Füllfederhalter namens Excalibur aus dem Gewässer apportierte. Aber das war ja auch ein Hund, ein richtiger Hund - auch mein Hund (hätte ich sie Morgana le Fay nennen sollen? Vielleicht den Nächsten) - an einem Alpensee, der, nein, die, die hätte das auch gekonnt, so ein toller Hund!) Bestimmt schreibe ich auch über sie mal was, aber: Dackel, um das klarzustellen, sind keine Hunde. Zumindest nicht im herkömmlichen, landläufigen Sinn. Dackel sind Wesen höherer Art, wobei boshafte Menschen oft auch einwenden: niedrigerer Art. Aber dazu in ungefähr, also keine Sorge, jedem 100. Textbeitrag mehr! Also gleich im ersten, ersteingestellten, der hier der automatischen Reihung nach der Allerletzte ist. Was jeder Dackel gleich versteht.

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