(58) Hochauflösende Grafik

„Nennen sie mich bitte einfach Ali. Das tun alle hier, wir sprechen uns nur mit Vornamen an, wenn’s nicht gleich Spitznamen sind. Ja, wir sind diese typischen Computernerds, jeder von uns bastelt an diesen Teilen rum, programmiert, entwickelt neue Algorithmen. Doch, doch, ja, wir verdienen ganz gut, selbst die ganz großen Firmen klopfen an, keine Namen, versteht sich. Ich zum Beispiel habe das hier – schauen sie sich den Bildschirm an: das nenne ich doch mal eine hochauflösende Grafik, oder? Da können sie jedes noch so komplexe Spiel drauf spielen, das reicht ihnen auch für irgendeine Entwicklungssoftware im technischen Bereich oder Darstellungen aus medizinischen Untersuchungen, was sie wollen!“

„Hallo, ja, ich bin Ted, nett sie zu treffen. Sie wollen sehen, was wir hier basteln? O ja, das ist unser neuestes Baby. Winzig klein, fliegt in jeder Höhe, steuert autonom und dank dieser Kameras mit dieser neuesten hochauflösenden Grafik können sie alles sehen, präzise – das nehmen auch die Leute von der Polizei oder vom Geheimdienst gern, aber auch Ranger draußen in den Schutzgebieten, wir haben schon mehr als einen Waldbrand entdeckt, bevor es überhaupt ein richtiges Feuer werden konnte! Oder die Farmer, wenn sie ihre Felder kontrollieren. Ob es was am Boden erschrecken kann? Na, hehe, nur wenn es erschrecken soll… ach, sie meinen irgendwelche Vögelchen, nicht etwa ein paar unerlaubt Vögelnde in einem Feld? Zurück zum Thema! Das Ding ist wirklich große Klasse und gar nicht mal so teuer. Ja, und das ist seine große Schwester. Die fliegt weiter, höher und kann wesentlich mehr schleppen! Was? Na, alles was sie wollen und brauchen!“

„Hi, ich bin Mike. Es ist ja immer schon ein Hobby von mir, ich treib‘s in der Freizeit wie hier. Ja, ich sitz gern vor Konsolen und leg dann los, stundenlang. Hier, sehen sie – dank dieser hochauflösenden Grafik ist das inzwischen wirklich ein großartiges Bild. Jedes Detail, besser als in echt, das könnte unser Auge so gar nicht entdecken, erst wenn das Programm die Kleinigkeiten herausarbeitet, deutlich macht, entdecken sie immer wieder Neues, dann wird’s interessant! Und sie können, hier, der Stick, eingreifen, angreifen wie sie wollen. Du steuerst, du fliegst zunächst völlig unentdeckt, dann näher ran, du siehst, was sie so treiben, diese Terroristen, da, der da bastelt dauernd an seinem Auto herum, wahrscheinlich baut er eine Bombe draus. Oder die hier auf dem Dach, sagen sie, was machen normale Menschen auf dem Hausdach, ist doch nicht normal! – aber das ist alt und außerdem streng geheim. Ich darf das gar nicht zeigen. Aber egal, was immer die vorgehabt haben, die werden es nicht mehr tun. Die werden gar nichts mehr tun. – Woher ich weiß, dass das Terroristen waren? Na, jetzt mal im Ernst: das sind die da unten doch alle, oder etwa nicht? Das mit den Zivilisten, die wir schützen, das ist doch Kinderkacke für die Presse. Die zum Beispiel da: die Weiber haben sich immer im Haus verkrochen, wenn wir kurz mal drüberflogen. Dabei war die echt nicht schlecht, hähä, die haben ihre doofen Kutten ja nicht an, wenn sie auf ihrem Dach rumtanzen und glauben, keiner schaut hin! Was weiß ich, was die da machen und in ihren Eimern verstecken, Wäsche oder Lebensmittel oder Waffen, interessiert mich auch nicht.“

„Marhaba, treten sie ein. Ich bin Hussain und das ist mein Haus. Oder besser, der Rest von meinem Haus. Halt eine Mauer. Ich mache uns Tee. Mehr kann ich ihnen leider nicht gut anbieten, ich bin ganz alleine hier. Ja, sie sind alle tot. Meine Tochter, Aisha, sie war noch so jung, auch sie. Da war diese Feier, viele Leute. Und dann diese Explosion.  Viele waren sofort tot, andere verletzt, es brannte, alles, was konnte, schrie und rannte. Ich versuche ständig, meinen Sohn anzurufen, sie wissen schon, Ali, ich will ihm Bescheid geben, er muss es doch wissen, aber ich erreiche ihn nicht.“

„Natürlich, wir können gerne noch weiter über meine hochauflösende Grafik sprechen. Ich könnte ihnen stundenlang erzählen, alle technischen Details. Aber wenn sie mich einen Moment entschuldigen – da will mich ständig jemand am Telefon erreichen. Einen Augenblick bitte, ich geh mal ran. Ein Auslandsgespräch. Die Nummer – das ist mein Vater. Er will mir sicher von zu Hause erzählen. Von meiner Schwester, sie soll bald heiraten, es waren schon Freunde und Verwandte der Familie da. Ein großes Fest, ich konnte leider nicht Dabeisein!“

(mehr zu Fremde unter Fremden (die genaue und einzig richtige Definition dieses befremdlichen Sachverhalts bitte ich bei Fremdenverkehrsprofessor Karl Valentin nachzulesen. Mit ihm folgern wir, dass der Mensch fast überall fremd sein muß, zumindest außerhalb seiner Stammkneipe, zitieren hier auch gerne Gerhard Polt, einen weiteren anerkannten Fachmann auf diesem Gebiet („Wir haben letztes Jahr so eine Weltreise gemacht, aber ich sag’s ihnen gleich, wie es ist, da fahren wir nicht mehr hin!“))? Gut dann: unvollständige Aufzählung, denn es kommt ja immer drauf an, in welchen Zusammehängen man die Fremdheit erkennen will: 149, 38, aber auch 58, 108… Ja, ist denn der Mensch nicht an sich fremd, geworfen in diese Welt? Und Menschen, denen es zu Hause nicht rundum gut geht? Vielleicht auch in  (98). Und in (94) und (43) plagt mich schier roadmoviehaft die moderne technisierte Welt)

Autor: gerlintpetrazamonesh

Ich schreibe Texte und veröffentliche sie. Selbstverständlich, bitte beachten, unter Copyright, also keine gewerbliche Verwendung ohne Einverständnis, private Verwendung gestattet, aber mit Nennung des Autors! Da bin ich stur, es mag ja sein, es ergibt sich noch die eine oder andere Möglichkeit, einen meiner Texte ( um nur die Naheliegenden zu erwähnen: Literaturnobelpreis, Hollywood...) weiter zu verwenden! Selbstverständlich, nicht wahr. So selbstverständlich wie der Autorenname, wie sich der eine oder andere gleich gedacht hat, wie man heute sagt Fake ist, so ein P-Name - ganz ehrlich, so heiß ich nicht, nicht richtig, nicht wirklich. In dieser Realität, z.B. in Ausweispapieren. Aber hier, für meine Geschichten, da nennt mich Petra. Nur der Vollständigkeit halber, die Person auf dem Bild, und hier muß ich mit der Änderung des Bildes schnell auch den Text ändern, das bin nicht ich, sondern mein selbstgewähltes Wappentier, nebenbei schon seit Kindertagen. (Vormals lautete der Text zum da noch passenden ersten Bild, na ja, halt auch so ein Vierbeiner, im Blog: die Dame vom See, das bin auch nicht ich und es ist nur ein Gerücht, dass sie mir einen Füllfederhalter namens Excalibur aus dem Gewässer apportierte. Aber das war ja auch ein Hund, ein richtiger Hund - auch mein Hund (hätte ich sie Morgana le Fay nennen sollen? Vielleicht den Nächsten) - an einem Alpensee, der, nein, die, die hätte das auch gekonnt, nämlich Excalibur apportieren, so ein toller Hund!) Bestimmt schreibe ich auch über sie mal was, aber: Dackel, um das klarzustellen, sind keine Hunde. Zumindest nicht im herkömmlichen, landläufigen Sinn. Dackel sind Wesen höherer Art, wobei boshafte Menschen oft auch einwenden: niedrigerer Art. Aber dazu in ungefähr, also keine Sorge, jedem 100. Textbeitrag mehr! Also gleich im ersten, ersteingestellten, der hier der automatischen Reihung nach der Allerletzte ist. Was jeder Dackel gleich versteht.

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